Konzert im Holocaust-Mahnmal : Klang der Stelen

Mit einem Konzert unter freiem Himmel ist am Freitag der dritte Jahrestag der Eröffnung des Berliner Holocaust-Mahnmals begangen worden. Die Berliner Kammersymphonie spielte ein eigens zu diesem Anlass geschriebenes Stück.

Stelen
Ungewöhnlicher Auftritt. Konzert zum dritten Jahrestag der Eröffnung des Holocaust-Mahnmals. 2000 Menschen lauschten den Klängen....Foto: ddp

BerlinZur Uraufführung des Stücks "Vor dem Verstummen" kamen nach Angaben der Veranstalter etwa 2500 Zuhörer, die sich zwischen den Betonstelen frei bewegen konnten. Unter der Leitung des Dirigenten Lothar Zagrosek entstand auf dem Gelände am Brandenburger Tor eine "Klanginstallation im klassischen Gewand", wie sie der Komponist bezeichnete. Das Werk wurde von Harald Weiss komponiert.

Die Orchestermusiker verteilten sich über das gesamte Denkmal-Gelände, das am 10. Mai 2005 eröffnet worden war. Während der Aufführung saßen die Künstler in einem Umkreis von 50 Metern auf kleinen Podesten zwischen den Säulen. Einige von ihnen hatten lediglich über Fernsehmonitore Sichtkontakt mit dem Dirigenten. Weiss, der in Spanien lebt, hatte die Idee für seine Komposition in einer kalten Winternacht vor etwa einem Jahr, wie er berichtete. "Ich habe mich etwa eine Stunde dort aufgehalten und versucht, die Schwingungen der Stelen in Noten zu übersetzen", sagte Weiss. Der Schlagzeuger und Komponist hat bereits mehrfach öffentliche Orte wie Bahnhöfe oder Wälder beschallt.

Thierse: "Zeichen für das neue Selbstverständnis"

Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) betonte beim Festakt vor dem Konzert, die Entscheidung für das Denkmal sei richtig gewesen und ein "Zeichen für das Selbstverständnis des neuen Deutschland", das aus seiner Geschichte gelernt habe und diese Lektion nie wieder vergessen werde. Der stellvertretende Botschafter Israels, Ilan Mor, sagte, das aus etwa 2700 Stelen bestehende Mahnmal lade die Besucher an 365 Tagen im Jahr zu innerer Einkehr ein und trage zu einer lebensfähigen und verantwortungsvollen Erinnerungskultur bei.

Das Denkmal für die ermordeten Juden Europas entstand nach dem Entwurf des Architekten Peter Eisenman. Nach Angaben der Veranstalter haben bisher etwa sieben Millionen Menschen das Denkmal besichtigt. (ae/dpa)

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