KONZERT-KRITIK : Daddys Liste

H. P. Daniels
Rosanne Cash in der Passionskirche. Foto: Davids
Rosanne Cash in der Passionskirche. Foto: DavidsFoto: DAVIDS

John Leventhal spielt ein lässig jazzig swingendes Intro auf der Akustikgitarre, während seine Ehefrau Rosanne Cash zu großem Jubelempfang aus der Sakristei der vollbesetzten Passionskirche ans Mikrofon tänzelt. Mit ihrer Altstimme singt sie: „I’m Moving On“. Den alten Countrysong von Hank Snow hatten auch schon Hank Williams, Elvis Presley, Ray Charles, die Rolling Stones gesungen. Und natürlich Johnny Cash, Rosannes Vater. Nachdem sie 1973 ihren Highschool-Abschluss gemacht hatte und ihr Vater sie mit auf Tournee nahm, war der erstaunt, wie wenig Ahnung seine Tochter von der großen amerikanischen Songtradition hatte. Besorgt schrieb er ihr eine Liste der „100 Essential Country Songs“ – Folk, Blues, Gospel, Texas Swing, Traditionals.

35 Jahre hat Rosanne die Liste mit sich herumgetragen, bis sie sich entschloss, eine Auswahl neu zu arrangieren und aufzunehmen. „The List“ mit zwölf Songs und besonders schöner sparsamer Instrumentierung erschien letztes Jahr. Im Konzert werden die Songs noch weiter reduziert, bis auf die Knochen. Begleitet nur von zwei Akustikgitarren. Auf betörende Weise arbeiten Leventhal und Cash die „Liste“ ab: „Miss The Mississippi And You“ interpretieren sie als coolen Country-Jazz-Swing. Der traditionelle Folksong „Long Black Veil“ bekommt noch mal einen neuen Dreh, so auch der hübsche Blues „Motherless Children“, wie auch A.P. Carters melancholische Ballade „Bury Me Under the Weeping Willow“. Dazwischen streut Rosanne Cash ein paar eigene Songs von ihrem vorletzten Album „Black Cadillac“, ihrer persönlichen Aufarbeitung diverser Schicksalsschläge, vor allem der Tod ihrer Eltern: Johnny Cash und seiner ersten Ehefrau Vivian Liberto. „Burn Down This Town“ rockt dann wieder bluesig. Vater Cash ist immer präsent in Musik und Vortrag seiner Tochter, die wie er, mehr auf Zurückhaltung und Sparsamkeit setzt als auf große Posen. Und deren Stimme gerade durch ihre lässige Zurückhaltung ihren großen Ausdruck erlangt. Papa Cash wäre stolz auf seine Tochter. H. P. Daniels

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