Konzert-Kritik : Offbeat-Glück

Schwitzen und tanzen: The Black Seeds aus Neuseeland geben ein mitreißendes Konzert im Berliner Glashaus

Florian Zimmer-Amrhein

Neuseeländischer Reggae blüht schon seit einigen Jahren. The Black Seeds sind in ihrem Heimatland längst Superstars, und warum das so ist, stellen sie am Sonntag im Glashaus eindrücklich unter Beweis. Rund 500 Zuschauer sind Zeuge einer mitreißenden Performance, bei der das achtköpfige Ensemble um Frontmann Barnaby Weir den Saal zum Kochen bringt, bis Wasser von der Decke tropft.

Reggae war selten so elektrisierend und vielseitig. Die Seeds bleiben dem Roots-Reggae zwar immer treu, bedienen aber auf dieser Grundlage ein breites Arsenal an Elementen aus Rock, Funk, Soul, Dub, Ska bis hin zu Jazz. Zur Freude des Publikums sind die daraus entstehenden Stilmixturen vor allem eines: euphorisierende Tanzmusik. Aus Stücken wie „Slingshot“, „Rotten Apple“ oder „Take Your Chances“ werden minutenlange Jamsessions, bei denen Keyboarder Nigel Patterson und Percussionist Daniel Weetman ihrer Kreavität mit elektronischen Dubklängen freien Lauf lassen. Sobald es funkiger wird, wie bei „Make A Move“, kann vor allem Jabin Ward am Saxofon glänzen. Er lässt die ausgelassene Stimmung durch tolle Soli in Beifall und Jubelschreien gipfeln. Für Ward ist es übrigens ein besonderer Tag: Es ist sein 34. Geburtstag, und er bekommt gegen Ende von seiner Band und dem Publikum ein Ständchen gesungen. Eine besseres Geschenk, als derart begeistert gefeiert zu werden, kann ihm wohl nicht gemacht werden. Florian Zimmer-Amrhein

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