Kultur : Konzerthaus-Programm: Sotto Voce - Das klügste Leitmotiv der Saison

Jörg Königsdorf

Vielleicht wäre es gar nicht so falsch, wenn sich die Veranstalter der Berliner Festwochen ein paar Programmanregungen beim Konzerthaus holen würden. Denn die Leitmotive, mit denen Konzerthaus-Chef Frank Schneider seine Spielzeiten ideologisch unterfüttert, sind die gescheitesten der Stadt. Das gilt auch für das Motto dieser Saison: "Farbe, Form, Figur - Musik im Dialog" klingt zwar erst mal reichlich abstrakt, wird aber schon durch die Auftaktkonzerte sinnig: Während das Berliner Sinfonieorchester unter seinem Chef Eliahu Inbal heute Mussorgskis "Bilder einer Ausstellung" in der Orchesterfassung von Maurice Ravel spielt, liefert der Pianist Vladimir Stoupel das Klavier-Original einen Tag später nach. Nur die megapopulären "Bilder" allein wären freilich nichts Besonderes, richtig interessant werden die beiden Abende durch ihr Beiprogramm. Vor die Orchester-"Bilder" haben Schneider und Inbal die "Chronochromie" von Olivier Messiaen gesetzt, ein Stück, das gewissermaßen die französische Farbpalette aufzeigt, mit der in der zweiten Hälfte die Bilder koloriert werden. Stoupels Programm teilt dagegen mit dem Konzert des Deutschen Symphonie-Orchesters einen Tag später im Großen Sendesaal des SFB den Raritäten-Bonus der Woche: Beide bemühen sich um Werke des tschechischen Dvorak-Zeitgenossen Zdenek Fibich, Das DSO spielt seine dritte Sinfonie, Stoupel Stücke aus den "Malerstudien". Das sind Programme, wie man sie sich für die Festwochen wünscht.

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