Konzerthausorchester spielt Richard Strauss : Honigsüß

Zum 150. Geburtstag von Richard Strauss spielt Iván Fischer mit dem Konzerthausorchester ein sehr "deutsches" Programm.

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Zum 150. Geburtstag von Richard Strauss krönt Iván Fischer ein sehr „deutsches“ Programm mit der Schlussszene der „Ariadne auf Naxos“, eine Herausforderung für den ungarischen Dirigenten mit „seinem“ Konzerthausorchester und eine handverlesene Sängerriege. Gerade Eva-Maria Westbroek ist nicht unbedingt die Idealbesetzung der Titelpartie.

Zumindest am Anfang ihrer großen Szene „Es gibt ein Reich, wo alles rein ist“ bringt die niederländische Sopranistin zu sehr den dramatisch-heroischen Ton ihrer eigentlichen Domäne ein: einer Sieglinde, Isolde oder selbst einer Katja Kabanova, die sie zurzeit an der Staatsoper im Schillertheater verkörpert. Ariadne ist eben nicht Isolde, die ihrem Liebestod in leidenschaftlichem Rausch entgegenstrebt, sondern sehnt ihn lyrisch leidend herbei. Und prompt kommt er dann auch nicht. Oder doch: in Gestalt des Gottes Bacchus, ein neuer Liebhaber. Robert Dean Smith stattet ihn mit bewährten heldischen Strahletönen aus, die der Ahnungslosigkeit der Figur gut anstehen. Auch Westbroeks Diktion mildert sich im Duett mit ihm zugunsten eines weicheren Flutens der Stimme.

Auch das Orchester spielt sich seinem differenzierten Strauss-Ton allmählich entgegen: Die webenden Zauberklänge und bukolischen Oboensoli – wir sind auf Kreta, nicht in Walhall! – müssen sich ihre Zartheit neben einem jedoch honigsüßen Cellosolo noch erobern. Zauberhaft dafür in sängerischer und optischer Harmonie das Nymphentrio der Sopranistinnen Eleonore Marguerre und Ruzan Mantshyan sowie der Altistin Stine Marie Fischer.

Eigentlich sollte sich an diesem Abend der Artist in residence Nikolaj Znaider von seiner geigerisch-virtuosen Seite zeigen, ein angesichts dieser Strauss-Opulenz schnell vergessenes Unterfangen. Auch dieses beeinträchtigen stilistische Verwechslungen: Mendelssohns Violinkonzert nimmt Znaider so scharf und rasant, ja geradezu reißerisch, als sei's von Paganini. Kaum gönnt er sich und dem Orchester die Atempausen der lyrischen Thematik, drängt er auch hier zum Passagenwerk, dessen Wirkung in der Deutlichkeit gelegen hätte. So besteht das Glück des Abends in Webers „Freischütz“-Ouvertüre, mit prächtiger Wald- und Schauerromantik untadeliger Hörner, sehnsuchtsvoller Klarinetten und triumphaler Streicheraufschwünge.

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