Konzertkritik : Büffel mit Hut

Orgiastischer Bluesrock: The Dead Weather geben ein explosives Konzert in Huxleys Neuer Welt

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Gerade mal acht Monate ist ihr furioser Auftritt im Astra her, da haben The Dead Weather ihr Publikum bereits verdoppelt: Das Huxleys ist fast ausverkauft, von der leichten Übersättigung, die aus manchen Rezensionen zum zweiten Album binnen Jahresfrist herauszulesen war, ist hier nichts zu spüren. Im Gegenteil, es hat sich rumgesprochen, was für ein grandioser Live-Act dieses zufällig entstandene Nebenprojekt des bienenfleißigen Tausendsassas Jack White ist. Der produziert unermüdlich Aufnahmen befreundeter Musiker, leitet ein Plattenlabel, spielt in Filmen mit, betreibt mindestens drei Bands, hat zwei Kinder mit einem Supermodel und wirkt doch unglaublich entspannt, wenn er mit federgeschmücktem Hütchen hinter seinem Drumset hockt und mit mächtigem Getrommel wie eine Büffelherde losstampft. Vor ihm zupft der stoische Jack Lawrence den Bass, der sich einen komischen Fernfahrer-Bart hat wachsen lassen, um endlich nicht mehr wie ein Highschool-Nerd auszusehen – ist ja auch inzwischen verheiratet.

Für kreischende Gitarrensoli und sumpfige Orgel-Riffs ist der mit seiner Rolle als ewiger Sidekick offenbar glückliche Dean Fertita zuständig, während sich vorne am Bühnenrand Alison Mosshart austobt: Eine am Rande des Wahnsinns entlang singende Halbgöttin düsterer Leidenschaften, die sich zum repetitiven Refrain von „60 Feet Tall“ drohend auf der Monitorbox aufbaut, als stünde ihr Angriff als Zwanzigmeter-Frau unmittelbar bevor. Das Repertoire von Dead Weather ist üppiger geworden, auch wenn die neuen Stücke im Rahmen des Bekannten bleiben. Warum auch etwas ändern, wenn der bleiern groovende oder orgiastisch explodierende Orgelgitarren-Bluesrock mit den Haupteinflüssen Led Zeppelin und Doors kaum zu verbessern ist. Umjubelter Höhepunkt ist wieder das Mosshart-White-Geangsduett „Will there be enough Water“, zu dem der Meister endlich seine Gitarre umschnallt und eines seiner trommelfellgefährdenden Tremolosoli spielt. „We will be back soon“, wirft er nach gut anderthalb Stunden zum Abschied leutselig in den jubelnden Saal. Daran besteht nun wirklich kein Zweifel. Jörg Wunder

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