Konzertkritik : Lang Lang und Philharmonie: Partner für ein Jahr

Der Zauberpianist Lang Lang spielt bei den Berliner Philharmonikern - animierend, diskret und intensiv.

Sybill Mahlke

Die Geschichte der Berliner Philharmoniker ist zugleich die Geschichte ihrer Kammermusik. Die Gattung, vormals höfisch, hat mit kleinen Räumen, solistischer Besetzung, Detailarbeit zu tun. Wenn ein Eliteorchester wie die Philharmoniker aus lauter Solisten besteht, ergibt sich selbstverständlich, dass neben der großen Sinfonik die Liebe der Musiker zur Kammermusik blüht. Die harmonierenden Ensembles, die aus diesem Orchester kommen, sind in Vergangenheit und Gegenwart Legion.

Nun ist es besonders spannend, zwei führende Philharmoniker im Zusammenspiel mit einem Externen zu erleben, der noch dazu den Ruf eines Popstars unter den Pianisten genießt: Lang Lang. Das gemeinsame Auftreten des chinesischen Künstlers mit dem Konzertmeister Guy Braunstein und dem Solocellisten Ludwig Quandt im ausverkauften Kammermusiksaal verrät eine charmante Unsicherheit unter den dreien, wer hier Gastgeber, wer Gast ist. Gestische Komplimente fliegen. Die Musik aber erweist, dass der Pianist in Residence dieser Saison die Philharmoniker schmückt.

 Rhythmusbetonte Schelmereien des Klaviers

Das Konzert ist Kammermusik als Abenteuer mit dem Reiz des Neuen. Denn Lang Lang versenkt sich in das gemeinsame Musizieren mit Ernst und tiefer Aufmerksamkeit, führend oder auch zuhörend, die Blicke konzentriert und verantwortungsvoll auf die Partner gerichtet. Die Expressivität des Violinspiels und die Noblesse des Celloparts treffen sich im Unisono zweier elegischer Klaviertrios der Russen Rachmaninow und Tschaikowsky, der als Komponist eigentlich eine Abneigung gegen diese Instrumentalbesetzung hegte. In seiner Komposition „À la mémoire d’un grand artiste“ aber klingt beim Abschied von seinem Lehrer auch das heitere Leben des beweinten Nikolai Rubinstein auf. Und die rhythmusbetonten Schelmereien des Klaviers bringen die Kollegen Braunstein und Quandt zum Schmunzeln.

Der Zauberpianist Lang Lang aber spielt animierend und nimmt dabei Einsätze von den beiden Solostreichern ab, kurz: Er ist Partner. Und auch ein empfindsamer Interpret der romantischen Musik von Felix Mendelssohn Bartholdy, wie schon im Januar mit dem ersten Klavierkonzert unter Seiji Ozawa in der Philharmonie zu entdecken war. Hier im d-Moll-Trio leuchtet sein heller, feiner Ton als Antwort auf das Lied von Cello und Violine. Wir erleben einen diskret-intensiven Lang Lang, der in der Komposition den Klangfaktor Klavier feiert.

Und wenn leicht und elegant, aber rasant im Scherzo die Elfen über die Tasten und durch das Ensemble tanzen, explodiert in einem Kammermusik-erfahrenen Publikum überraschend seliger Zwischenapplaus.

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