Konzertkritik : Stecker raus, Farbtupfer rein

Heitere Leisetreterei: Die schwedische Indierockband Mando Diao geben ein Akustikkonzert in der Zitadelle Spandau

Jochen Overbeck
Brüderlich. Die Sänger Gustaf Erik Noren und Björn Hans-Erik Dixgård. Foto: dpa
Brüderlich. Die Sänger Gustaf Erik Noren und Björn Hans-Erik Dixgård. Foto: dpaFoto: dpa

Als Mando Diao im vergangenen Herbst in einem Tempelhofer Fernsehstudio ihr Album „MTV Unplugged – Above And Beyond“ einspielten, war das ein ziemlich netter Abend. Ray Davies half beim Kinks-Klassiker „Victoria“, Juliette Lewis tanzte um ein Lagerfeuer, und zwischendurch unterhielten Björn Dixgård und Gustaf Norén, die beiden in schmucker Landestracht gekleideten Frontmänner der Band aus dem schwedischen Borlänge, die Zuhörerschaft mit kleinen Anekdoten aus ihrer Jugend.

Aber kann man aus einem eher intimen Konzertformat, das sich vor allem durch seine Einmaligkeit definiert, eineinhalb Stunden Open-Air-Unterhaltung stricken? In der Zitadelle Spandau beantworten Mando Diao diese Frage mit einem beherzten J“. Songs wie „Sheep Dog“ mit seinem „Yeah Yeah Yeah“-Refrain oder „Down In The Past“ machen auch in den (Fast-)Akustik-Versionen Spaß. Ein Klavier und ein sparsam, aber pointiert eingesetztes Streicherensemble reichern die oft unterschätzten Stücke mit neuen Farbtupfern an. Die Band überträgt ihren an den Rolling Stones der frühen siebziger Jahre orientierten Retrorock in eine leicht angesoffen klingende Heiterkeit und erlaubt sich auch überraschende Wendungen und Tempowechsel.

Und ihre Freude am Zusammenspiel, die nimmt man den Schweden durchaus ab. Der Höhepunkt ist gegen Ende des Abends „Dance With Somebody“, der größte Hit der Band, bei dem die Musiker nun zunächst Balladeskes antäuschen und erst nach einer Weile in jene Ungestümheit finden, die man von der Radioversion kennt. Das Publikum, anfangs etwas reserviert, tobt. Was für ein Song!

So gab es nur zweierlei zu beklagen: Einmal – und das liegt nicht an der vornehmlich akustischen Instrumentierung – ist es zumindest im hinteren Drittel der Zitadelle schlicht zu leise. Und: In der Inszenierung wirkt der Abend ab und zu eigenartig steif – vielleicht, weil die in schickem Schwarz gewandeten Mando Diao ohne jede Ironie die klassische Choreografie der Rockmusik zelebrieren. Und deren Bestandteile sind nun mal 40 Jahre alt und dementsprechend abgehangen.

Heitere Mitklatschspiele? Müssen sein. Gemeinschaftliches Singen in ein Mikrofon? Natürlich. Bisschen Politik? Klar! Auch auf dem Programm: die artige Versicherung, Abstecher nach Berlin seien stets ein Quell besonderer Freude sowie ein Lied für das Kind, das den Abend von den Schultern des Vaters verfolgte. Jene Widmung garnierte Nóren mit der etwas pathetischen Versicherung, in 20 Jahren würde der Knirps selbst auf einer großen Bühne stehen. Aber: Das breite Grinsen, mit dem Gustaf Norén den Abend eröffnete, und mit dem er nach einem kurzen Blick ins Rund freundlich „Welcome To My Castle“ sagte, war so sympathisch, dass man ihm derlei Plattitüden verzeiht. Jochen Overbeck

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