Konzertreview : Das ist Liebe - ein Blick in den Musik-Kosmos von Icona Pop

Das Musikduo „Icona Pop“ ist schon lange kein Geheimtipp mehr. Doch wer ist die schwedische Frauengruppe, die gleich die ganze Welt erobern will?

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Aino Jawo und Caroline Hjelt sind "Icona Pop"
Aino Jawo und Caroline Hjelt sind "Icona Pop"Foto: The Windish Agency

„Vor einem Jahr waren wir schon einmal hier“ ruft Caroline Hjelt, der rothaarige Part von Icona Pop, von der Bühne des Gretchens, „damals schliefen wir hier im Club auf einer Couch und zehn Leute standen vor der Bühne um mit uns zu feiern. Und heute...“ Kreischen, Hände in der Luft, wippende Füße.

Und heute? An diesem Abend haben sich im Kreuzberger „Club Gretchen“ gut 200 Menschen versammelt um den vielversprechenden Import aus Schweden zu hören: Icona Pop. Der breiten Masse wohl erst durch den aktuellen Coca-Cola-Werbespot aufgefallen, indem ihr Song „I love it“ eine Nacht im Berliner Party untermalt. Kennen gelernt haben sich Hjelt und Aino Jawo ebenfalls auf einer Party. In Stockholm liefen sie sich 2009 in die Arme, dass sie beide die gleiche Musikschule besuchten, machte die Fusion perfekt.

„This is love“ singt Caroline Hjelt ins Mikro – „Das ist Liebe“. Die Liebe zur Musik ist es die sie mit Jawo seit drei Jahren in Freundschaft verbindet. Als DJane-Duo traten sie auf, bevor sie im November 2012 mit dem Album „Icona Pop“ auch gesanglich in die Musikbranche einstiegen. Mit ihren Songs verfolgen sie ein Ziel: „Wir wollen Geschichten erzählen“ so Hjelt.

Drei Stunden zuvor ist die Schlange am Eingang zwar kurz, dafür an der Garderobe umso länger. Ein nicht abreißender Strom aus Fast-Volljährigen rückt unter Begleitschutz der Eltern an. Nur unterbrochen durch Mädels mit zerwuschelt geflochtenem Haar und dem Jungs mit Hosenträgern, Wollmütze und Karohemd. Als Vorgruppe steht „Blitzkids mvt“ auf dem Programm. Das Berliner Elektro-Musikprojekt um Sängerin Nomi trat schon im Fernsehen auf – bei der Auswahl für den Eurovision Song Contest 2013.

Video: Icona Pop - I love it!

 

In Schwarz-Weiß kommen die Tänzerinnen von Blitzkids auf die Bühne. Futuristische Kostüme gepaart mit Mata-Hari-Tanz zu elektronischen Beats. Die Keyboarder scheinen aus einem Bruce-Lee-Zirkus-Film entsprungen. Sängerin Nomi feiert die nächsten 30 Minuten auf der Bühne. Doch bis auf paar pflichtbewusste Zuhörer im Schuld-Sicht-Feld der Band, bewegt sich kaum jemand. An diesem Abend scheinen alle nur für Icona Pop gekommen zu sein oder zumindest für das Coca-Cola-Lied.

Caroline Hjelt und Aino Jawo betreten die Bühne. Der Verdacht, dass viele nur wegen des Werbespotshits kamen, bestätigt sich, als ein erstauntes Raunen durch die hinteren Reihen geht: „Ach, das sind nur Zwei?“ oder „So sehen die aus – cool!“ Genug gequatscht – es soll getanzt werden.

Die 25-jährige Hjelt wirbelt in schwarzer Pelzweste mit Nieten-Shirt über die Bühne. Ihre Kollegin Aino Jawo ist die klassische DJane – höchst lässig, die Finger flitzen über die digitalen Mischpults. Ihr Gesang ist gut, doch so richtig scheint ihr dieser Schuh noch nicht zu passen. Hjelt hingegen spielt mit dem Publikum, bewegt sich rhythmisch mit dem eigenen Gesang und klatscht Hand nach Hand ab, die sich ihr entgegen streckt. Die Musik von Iconic Pop lässt sich wohl als eine Mischung aus Indie und Elektro-Pop bezeichnen. Harte Dubstep-Bässe treffen auf  Trommelschläge, die schnell an das dänische „Safri Duo“ erinnern. Kreatives Chaos nennt Jawo es – ein Erfolgskonzept könnte es werden.

Zweite Verschnaufpause auf der Bühne, Zeit für die nächste Anekdote. „Wir haben ein tolles Jahr hinter uns und das wollen wir feiern“ steigt Aino Jawo ein, „We got the world!“ Sie reckt die Arme siegesfreudig in die Höhe. „Uns gehört die Welt“ – nach einem kometenhaften Aufstieg in die Musikcharts dieser Welt und dem Grammy als „Bester Newcomer 2013“ steht Icona Pop scheinbar nichts mehr im Weg. Und selbst, wenn die Musikwelt sie in einem halben Jahr wieder ausspucken sollte, singen Icona Pop weiter: „I don’t care“

Die Iconic Pop Tour "Bitclap!" dauert noch bis 26. April 2013. Tourdaten und weitere Informationen unter http://www.iconapop.com/tour

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