Kultur : Kopf in den Wolken

Nadine Lange schaut einen Trailer mit Überlänge

Mit einem Scherz fing alles an. „Lasst uns einen Film zusammen machen“, sagten sich Tom Tykwer („Lola rennt“, „Das Parfum“) und die Wachowski-Geschwister Lana und Andy („Matrix“). Doch als sie mit dem Lachen aufgehört hatten, wurde daraus die wilde Fantasie, ein gigantisches, genreüberschreitendes Megawerk zu schaffen. Als Vorlage sollte David Mitchells Roman „Der Wolkenatlas“ dienen.

Kichernd erzählen die drei in einem im Internet zu findenden Filmchen von ihrem Projekt, für das sie ein Jahr lang am Skript arbeiteten. Es ist amüsant, diese kleine Show anzuschauen, denn die drei agieren fast so exaltiert wie die Moderatoren eines amerikanischen Shoppingkanals. Und weil sie so begeistert von ihrem über zweieinhalbstündigen Werk sind, das im November in die Kinos kommen soll, konnten sie sich offenbar auch beim Trailer nicht bremsen: Er ist knapp sechs Minuten lang, und man bekommt Bedenken, ob der Traum des Trios, einen „politischen und philosophischen Film mit viel Action“ zu machen, wirklich aufgeht.

Wie die Vorlage umspannt das Werk 1000 Jahre und erzählt sechs verschiedene Geschichten. So sieht man etwa Tom Hanks mal im Wissenschaftlerkittel, mal im struppigen Fellkostüm. Kleine Ufos fliegen durch eine futuristischen Stadt, ein Segelschiff kreuzt über den Ozean, ein alter Mann träumt von Musik, die ein junger komponiert, Halle Berry liest Briefe, Susan Sarandon lächelt, Schrillbuntes wechselt mit düster Dräuendem. Eine Stimme raunt: „Furcht, Glaube, Liebe – Phänomene, die den Lauf unseres Lebens bestimmen. Diese Kräfte nehmen ihren Anfang lange vor unserer Geburt und überdauern unseren Tod.“ Puh, das wirkt doch recht schwurbelig. Da kann man nur hoffen, dass es sich hier um den typischen Trailer-Effekt handelt: Es wird viel Lärm gemacht, ohne dass der Ton des Films getroffen wird. Da hilft wohl nur abwarten bis November – oder den Roman lesen.

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