Kultur : Kopfball (11)

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Fußball ist eine Lebensäußerung, bei der ein ergonomisches, ziemlich hemmungsloses Nationalgefühl nicht nur erlaubt, sondern erwünscht ist. Ersatzkriege, bei denen niemand zu Schaden kommt, Gefühle schnell verarbeitet und durch neue Ergebnisse (der Erdball ist rund) rasch korrigiert werden: nicht das Schlechteste in einer ohnehin aggressiv verkorksten Welt.

Reden wir also vom Sonntag. Da spielte Mexiko gegen Ekuador und gewann, da rackerte die Türkei gegen Costa Rica vergeblich für einen Sieg und musste mit dem Unentschieden noch zufrieden sein, da feierte Japan, unheimlich heimstark, gegen Russland den ersten WM-Sieg.

Ich dagegen, Schwarz-Weiß-Patriot, lauschte mit noch gebannterem Interesse, was über „die Deutschen“, über „uns Deutsche“, über „uns“ zu erfahren war: Kaffeesatzlesen vor dem Spiel gegen Kamerun und nach dem Ausrutscher gegen Irland (warum dauert ein Spiel eigentlich nicht wie in der guten alten Zeit 90 Minuten, warum dürfen die Iren in der 92. Minute ein Tor schießen?).

Und da hörten wir vom Nationaltrainer Michael Skibbe, dass er die Aufstellung gegen Kamerun natürlich noch nicht verraten könne, schon aus taktischen Gründen (sehr gut!), und dass es zu Umstellungen kommen könne, wozu Premiere suggestiv Bilder von Ziege und Janker zeigte - und „raus bist Du!“

Und wir hörten, dass beide Mannschaften stritten. Und dass wir gute Chancen hätten und auch Klose fit sei, Gott sei Dank. Und dann wurde darüber diskutiert, ob der Freudensalto nach den Klosetoren den Knien von Klose schade, und ob nicht nach dem Saltosalto der Nigerianer der Klosesalto etwas hinterher wirke. Toni Schumacher, der ohnehin schon Knieprobleme hatte, erklärte: Eine Belastung sei das. Also aufgepasst!

Und dann wurde auch noch diskutiert, dass Kamerun einen deutschen Trainer habe. Einer sagte: „Es gibt Menschen, die betrachten Winnie Schäfer als Verräter. Das ist natürlich Quatsch!“ So tolerant kann Fußball-Nationalstolz sein!

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