Kultur : Kopfball (18)

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Warum das Leben gerade schön ist?

– Man erlebt Explosionen des Glücks und zwar dort, wo man es nie erwartet hätte: In der kleinen Eckkneipe auf dem Fußweg zur Arbeit zum Beispiel, wo nie einer drinsitzt, an einem normalen Tag, vorhin aber, um exakt 10 Uhr 41 Heerscharen von Afrikanern, vielleicht Senegalesen, Freudetrunken herausfielen, schrien, sich umarmten und die Türken, von denen viele in dieser Straße wohnen, nur gütig lächelten… Golden Goal!

– Man bekommt Anrufe wie diesen: „Hallo, wir sind gesund in der Türkei angekommen, der Familie geht’s gut…“ „Mensch Mutter, Deutschland spielt gerade! „Jaja, guckt Papa auch.“ „Wie, im türkischen Fernsehen…?“ Aus dem Hintergrund schreit Papa: „Der Kirch kann mich mal, ich kann hier alle Spiele sehen!“

– Man entdeckt in dieser Stadt sogar in diesen Tagen Fußball freie Orte, wo noch ganz andere Eruptionen des Glücks zu erleben sind: für das Ohr, den Bauch und schließlich für’s Herz: Zum Beispiel die Soul Lounge ( www.Soul-Lounge.com ), eine Hamburg-Berlin-Veranstaltung für die, die den Ball lieber flach halten wollen. Mal im „Quasimodo“ in der Kantstraße, mal im „Schlachthof“ in Hamburg. Mit wundervollen Sängern, Stimmen, Stimmungen. Und mit Astrid North! Hingehen, hören, staunen! Das ist wie ein Tor schießen… Vielleicht besser.

– Man kann Kollegen erleben, die sich regelrecht aufopfern, weil’s ihnen Spaß macht: Die Sportredaktion zum Beispiel schläft jetzt vier Wochen nicht. Funktioniert sogar ohne Drogen, nur mit Fußball. Morgens gibt’s immer Wettrennen, wer als Erster (im Trikot von Schalke 04, Boca Juniors oder Hansa Rostock) da ist, Kaffee kochen darf, Pizza bestellen (zum Frühstück) und Premiere einschalten. Dann hat man ja den ganzen Tag zu tun. Und abends muss man unbedingt noch ein Bierchen trinken und über alles reden, macht ja auch Freude. Und dauert…

Manche Kollegen nehmen sogar den weiten Weg aus Berlin-Neukölln in unsere Sportredaktion auf sich, um Premiere zu haben, nur weil sie Heribert Faßbender in der ARD nicht ertragen. Zur Strafe für so viel Einsatz kommentiert dann Fritz von Thurn und Taxis. Noch schlimmer.

– Wenn dann ein anderer Kollege, der eigentlich gar nichts von Fußball weiß, wenn der dann sagt: „Freistoß war das nur, ach was, ich hätte trotzdem Elfmeter gegeben. Dann ist das Leben sehr schön.

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