Kultur : Kopfball (19)

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Auch wir, die wir das Abseits nicht vom Elfmeter unterscheiden können, haben längst gelernt, dem Fußball allerlei Gutes abzugewinnen. Nur schade, dass immer die Falschen ausscheiden; denn diejenigen, die weiterkommen, sind natürlich nicht unbedingt diejenigen, die unsere besten Gefühle hervorrufen und uns mit den tiefen Wahrheiten des Lebens konfrontieren. Meine Favoriten sind mittlerweile schon seit einer Woche draußen, Zeit, ihnen wenigstens hier noch einmal ein kleines Denkmal zu setzen. Ja, ich habe mit Kamerun gefiebert. Erstens hat der Trainer von denen so einen lustigen n, Winni Wahnsinn, sowas hätte man auch über vier Wochen gern gehört. Zweitens mag ich Menschen, die Widrigkeiten mit einer positiven Einstellung bekämpfen.

Diese Sympathie für eine menschliche Haltung schlägt das Nationalgefühl sofort aus dem Rennen. Die „Bild-Zeitung“ wusste zu berichten, dass die Kameruner nicht gern Tore schießen, weil sie früher kein Geld für Netze hatten und immer, wenn sie zwischen die (Tor)-Pfosten trafen, ewig weit laufen mussten, um den Ball wieder einzufangen. Nein, ich will auf gar keinen Fall wissen, ob das wahr ist oder nicht. Ein kleiner Rest Poesie wird ja wohl bleiben dürfen.

Da Mitgefühl allemal die größere Regung ist als Nationalstolz, kann man gar nicht oft genug an Winni Wahnsinn und seine tapferen Mannen denken – und dass sie hoffentlich die nächste WM gewinnen. Was Nationalstolz ausrichten kann, werden wir ja am Freitag im Viertelfinale sehen, denn die Amerikaner, die als Schulkinder jeden Morgen ihrer Flagge die Treue gelobt haben, sind wenigstens in dieser Hinsicht gegenüber den Deutschen eindeutig im Vorteil.

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