Kultur : Kopfball (23)

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Es gibt eine alte Bauernweisheit: Nach dem Spiel ist immer vor dem Spiel. Natürlich gilt diese Regel nicht mehr während des blutigen K.O.-Systems der Final-Spiele. Für Deutschland oder die USA (spielen die überhaupt Fußball?), während ich nervengeplagt diese Glosse schreibe, gilt: Nur für eine Mannschaft ist nach dem Spiel vor dem Spiel: Nämlich vor dem Halbfinale. Die andern fahren nach Hause. Kein Davor nach dem Danach.

Unglückseligerweise schreibe ich diese Glosse mit zittrigen Fingern und aus verdächtiger Abseitsposition, weder davor noch danach, sondern dazwischen. In der Halbzeitpause.

Zwar steht es 1:0 für Deutschland durch Ballack, aber kein Delphisches Orakel könnte mir prophezeihen, wie das Spiel ausgeht. Ohnehin würde Delphi nur wolkig sagen: Der Bessere wird gewinnen. Aber auch das stimmt nicht immer, siehe Korea gegen Italien. Oder so. Also hilft mir, während ich schreibe, kein Emnid und kein Allensbach und kein Horoskop, das mir für diesen Tag ein persönliches, also nationales Glück verspricht. Ich bin darauf angewiesen, ins Blaue zu schreiben. Und ich finde schon, dass die Amis sich einiges herausnehmen. Greifen toll an, spielen richtig Fußball, das sie auch noch (Pfui Deibel) „soccer“ nennen, „soccer“. Und hätten wir bis zur Pause nicht Olli Kahn im Tor gehabt, dann „Gute Nacht, Deutschland!“ Good Night, Rudi!

Aber wir haben eben Olli Kahn im Tor und deshalb wage ich, mitten in der Halbzeit, die Prognose – wir sind weiter, wir sind im Halbfinale. Und sollte meine Prognose wegen des redaktionellen Zwangs, in der Halbzeit zu schreiben, nicht eintreffen, dann werde ich sie am Ende mit einem Satz korrigieren, der hoffentlich nicht nötig wird! Denn Deutschland ist für mich, um 14.22 Uhr MEZ, im Halbfinale.

15.28 Uhr: Hurra, wir sind weiter.

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