Kultur : Kopfball (25)

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Um das gleich von Anfang an klar zu stellen: Ich weiß, was Abseits ist, jawohl! Es scheint mir aber dennoch wichtig, an dieser Stelle zu betonen, dass frau ohne Fußball leben kann und trotzdem kein Idiot sein muss. Und ich wäre ein Idiot, wenn ich in 28 Jahren voll unverlangter Erklärungen von Vater, Freunden und völlig Fremden nicht begriffen hätte, was diese besondere Spielkonstellation zu bedeuten hat, über die Männer ganz besonders eifrig streiten können.

Manchmal gehe ich sogar ins Stadion – wenn mir daran auch am besten gefällt, nach dem Spiel Tausende wandernder Jeans zu beobachten. Eine überraschende Perspektive übrigens, versuchen Sie das mal! Richten Sie ihren Blick auf die Höhe von einem Meter aus und kneifen Sie dabei leicht die Augen zusammen: Horden von Jeans auf dem Weg zur Bahn. Das ist echt komisch. Aber weiter. Warum ich also mein Frausein hier rechtfertige?

Nun ja, für meinen Geschmack haben sich in letzter Zeit zum Thema Fußball zu viele Frauen zu Wort gemeldet, die sich in der Rolle des Naivchens gefallen haben. Nach dem Motto: Hihi, komische Frisuren. Haha, lustiger Fußballer. Kolleginnen, das ist doch Selbst-Demütigung, ein Eigentor, hier geht es um die Ehre! Um unsere Ehre.

Begriffen hat das auch „Allegra“, die Zeitschrift. Die will Frauen zu Expertinnen machen, über die Abseitsfalle hinaus. Und hat im Juni ein Päckchen Fußball-Schummelkarten mitgeliefert. Zum auswendig lernen.

24 Stück sind es, mit Infos über wichtige Teams – plus Statistiken zum Beeindrucken gönnerhafter männlicher Mit-Fußballgucker. Zur Türkei zum Beispiel: „Deren Mittelfeld ist ja ganz schön klein. Bastürk ist 1,68 Meter, Buruk auch nur 1,69 Meter.“ Oder zu Deutschland: „Wusstest du, wer vor Stein und Effenberg mal aus einer WM-Mannschaft geflogen ist? Siggi Haringer, 1934, weil er auf dem Bahnsteig eine Apfelsine aß.“ Oder zu England: „Jetzt gibt es David Beckham schon als Gartenzwerg.“

Gerade präge ich mir ein, dass Brasiliens großes Fußball-Idol Pelé mit richtigem Namen Edson Arantes do Nascimento heißt, da kommt der Kollege vorbei und greift sich das Kärtchen. Frauen und Fußball, sagt er nur. Es klingt verächtlich. Aber wie Abseits geht, weiß er dann auch nicht.

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