Kultur : Kopfball (6)

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Elisabeth Binder über Gras-Gelee

und Gelbe Karten

Können Sie sich noch erinnern? Dann müssten Sie eigentlich auf der Stelle zu Asche zerfallen oder zur Steinzeitmumie erstarren. Es gab Zeiten, da Fußball als etwas, nun ja, prollig galt. Lange her, dass kleine Mädchen versnobt die Nase rümpften, wenn die Sandkastenfreunde in wirrer Meisterschaftsbegeisterung „Beeevaubeeee“ grölten, nicht ahnend, dass später im Leben ansonsten hoch zivilisiert auftretende Kollegen sich nur mit Mühe im Zaum halten würden, es im Konferenzraum den Kameraden von damals nicht nachzutun. Wer heute in einem akademischen Milieu die Nase rümpft, liefert eher einen Kündigungsgrund („verbohrte Lebensferne“) als jemand, der während der Arbeitszeit WM guckt.

Nun also, da Fußball zur genialsten Metapher für das Leben schlechthin aufgestiegen ist, nun, da sich die evangelische Kirche den ganzen Juni lang besorgt die Monatsfrage stellen muss, ob Fußballer unsere wahren Götter sind, nun, da auch liebe Freunde, die mehr Bücher geschrieben haben, als der Mensch Biere am Tag vertragen kann, vor dem Fernseher festwachsen, um keine Sekunde dieser Kombination aus Ballett und Schach zu verpassen und … Biere! Das Problem mit dem obligatorischen Fußball-Bier am frühen Morgen wurde schon angesprochen, dabei ist es ganz einfach. Wenn schon Hochkultur, dann richtig. Zu schade, dass die Chinesen im Spiel gegen die Mittelamerikaner aus Costa Rica nicht vielversprechender abgeschlossen haben. Angesichts der Segnungen, welche ihre Küche für den morgendlichen Bier-Ersatz bereithält, hätten sie es verdient. Gras-Gelee gegen die Gelbe Karte, Wasserkastaniencocktail gegen ein Foul und Sojamilch zum Anfeuern. Da kann China noch große Beiträge leisten. Zum Beflügeln wird das Gerstengebräu nicht mehr gebraucht. Sind ja eh alle gedopt im Kopf.

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