Kultur : Kopfball (8)

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Christine Lemke-Matwey über

den schönsten Stabraum aller Stadien

Zwei Phänomene dieser WM, die Anlass zu Besorgnis geben: die persönliche Fitness – und die Tatsache, dass sich Tag für Tag immer weniger Spieler auf den Plätzen tummeln.

Von wegen 22 heiße Herzen und 44 erfolgreich operierte Menisken! Verdünnisierung lautet die Losung oder: Was 11 Mann können, können einer oder maximal zwei schon lange. Im Falle der Deutschen sind dies „KLOOOOSE!“ und „KAAHN!“, im Falle der kunstrasengiftgrünen Iren ist es Robbie Keane, und was die Franzosen angeht, so leckt sich die Welt nach Zinedine Zidane die Lippen, dem schönsten Stabreim aller Fußballzeiten.

Sie wissen schon, der Mann mit der Naturglatze, dessen Problem momentan allerdings weniger seine Kopfhaut ist als sein lädierter Oberschenkel. Im Stundentakt erkundigte sich der französische Staatspräsident nach dem Muskelstand der Dinge – vergebens. Erst mit Anpfiff würde Zidane entscheiden, ob er das „Todesspiel“ gegen die „Urus“ würde krönen können oder nicht. Zeit genug also, die Jogging-Schuhe ins Visier zu nehmen, die sich in die hinterste Ecke des Balkons verkrümelt haben. Jetzt vielleicht drei Ründchen durch den Charlottenburger Schlosspark? Ach. Die Schwüle. Die Allergie. Der Schweinehund.

Na gut.

Rückkehr, schweißüberströmt, um 13.28 Uhr. Kein Zidane. Rasch unter die Dusche.

13.54 Uhr: Platzverweis für Henry. Meine Achillessehnen schmerzen, keine Lust gehabt zum Warming up.

Eine feurig beginnende zweite Halbzeit. Es geht um alles oder nichts. Am Ende haben beide alles, beide nichts, 0:0. Mit dick bandagierten Knöcheln frage ich mich: Wer war doch gleich wieder dieser Zinedine Zidane?

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