Kultur : Kopfgestalten

Thea Herold

Kunst aktiviert kriminelle Energien. Auch deshalb sollte man sie gut im Auge behalten. In der Galerie Lena Brüning (Almstadtstraße 50) nimmt sich Peter Jap Lim dieses Themas an und gibt seiner Offerte den Titel „most wanted art“. Es ist die zweite Einzelausstellung des Berliners. Dabei muss ihn diesmal eine grüne Welle erwischt haben. Wand, Bilder, Skulpturen, Kandelaber, selbst die Rahmen – alles Ton in Ton. Einen Moment springen die Gedanken zum „Grünen Gewölbe“. Doch man weiß sofort, dass man in eine Kammer imaginärer Schätze eintritt. Da hängen Steckbriefe, Interpol-Plakate und BKA-Ausschnitte. Peter Jap Lim hat sie Zeile für Zeile, Motiv für Motiv neu „geschrieben“. So ist es kein Wunder, dass die Bilder zwar an gestohlene Kunstwerke erinnern, sie aber keinesfalls kopieren. Im Gegenteil – sie spielen auf der Metaebene. Wie viel Wahrheit bleibt übrig, wenn ein Werk schon ewige Zeiten als „gestohlen“ oder „verschollen“ gilt? Die Kerzen, die Peter Jap Lim in seiner Asservatenkammer aufsteckt, sind auch dafür gedacht, dass uns irgendwann ein Licht aufgeht (bis 17. November).

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Über Metamorphosen anderer Art grübelt man bei Marc Aschenbrenner in der Galerie Olaf Stüber (Max-Beer-Str. 25, bis 25. Nov ember). Buchstäblich raumfüllend präsentiert er seine Arbeit „Zweite Sonne“ von 2005. Eine schwarze Ballon-Folie quetscht sich als Riesenblase zwischen Decke und Boden und lässt nur durch Gucklöcher Einblicke zu. Der Film läuft innen ab – ein Sieben-Minuten-Opus erzählt vom Weg aus der Ursuppe bis zu den trügerischen Ikarus-Momenten im Leben. Und generell von der Übung, mit Leichtigkeit gegen den Wind zu gehen. (Edition 2 von 4, 5400 Euro). Die aktuelle Arbeit widmet sich dem Kopffüßler (Edition 1 von 5, 2200 Euro). Auch hier geht die visuelle Gesamtdarstellung über den Rand des Bildschirms hinaus. Die leere Karkasse vom Kopffüßler liegt ähnlich beweiskräftig wie der ramponierte Anzug des Ballongehers. Was den Kopffüßler umtreibt, wenn er seine Schläfen gegen die Wand drischt? Nur der Krach des Aufschlags und die tiefen Atemzüge in den Pausen sorgen für Bilder im Kopf. Der gelernte Glasbläser hat die Macht des eigenen Atems kennengelernt . Und wer vor seiner „Werkszeichnung“ steht (Mischtechnik auf Papier, 1700 Euro), kann sich auf seine nächsten Arbeiten nur freuen.

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