Kultur : Kopfschüsse

Sturm und Zwang: Berliner Ausstellungen rund um die Fußball-Weltmeisterschaft

Kolja Reichert

Wir sind ja im Land der Dichter und Denker. Da bolzt man nicht einfach nur drauf. Da denkt man auch mal in Ruhe über die ganze Sache nach. Wer im Stadion so richtig aus sich rausgegangen ist, kann danach wieder in sich gehen – in einer der zahlreichen Ausstellungen, die zurzeit der WM stattfinden und sich aus den verschiedenen Richtungen dem Phänomen Fußball nähern. Nicht alle schlagen dabei so einen großen Bogen wie das Pergamonmuseum, das Kulturgeschichte von Kreis und Kugel beschreibt. Die meisten Berliner Ausstellungen sind direkter am Geschehen dran und feiern die Sportfotografie, wie das Deutsche Historische Museum, das Fotos der Weltmeisterschaften seit 1930 versammelt. So elementar wie die Fotografie ist das Fernsehen für die Entwicklung des modernen Fußballs. Das Filmmuseum Berlin erzählt vom wechselseitigen Einfluss bewegter Bilder und bewegter Bälle. Das Medizinhistorische Museum der Charité sorgt dafür, dass auch die Rolle der Hochleistungsmedizin nicht vergessen wird.

Manche Ausstellungen grätschen richtig fies rein in die Welle der WM-Begeisterung. Unter dem Titel „Heimspiel“ greifen Künstler Kommerzialisierung, Kontrolltechnologien und Standort-Kampagnen an, und in der Volksbühne endet im Juli die bundesweite Wanderausstellung „Fanshop der Globalisierung“, in der Fußballtrikots umgeschneidert sind – beispielsweise zu Straßenkämpfer-Outfits.

Drei Höhepunkte aus weiteren Städten: In Nürnberg wird unter dem Titel „Das große Rasenstück“ die gesamte Altstadt von Künstlern bespielt (bis 9. 7.). Das Münchner Stadtmuseum führt mit „Fußball: Ein Spiel - viele Welten“ vor, wie unterschiedlich der Sport von Land zu Land gespielt und gefeiert wird (bis 3. 9.). Und das Ikonenmuseum in Frankfurt am Main beweist in der Ausstellung „Helden – Heilige – Himmelsstürmer“, wie viel Fußball mit Religion zu tun hat (bis 20. 8.).

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