Kultur : Kosmos aus Bausteinen

Die Galerie Zink eröffnet ein zweites Mal – mit Bildern Rinus Van der Veldes

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Fundstücke. Van de Velde recycelt für die Motive vorhandene Bilder. Foto: Galerie Zink
Fundstücke. Van de Velde recycelt für die Motive vorhandene Bilder. Foto: Galerie Zink

Ungewöhnlich, dass ein Zeichner so großformatig arbeitet. Die Kohlezeichnungen des 27-jährigen Künstlers Rinus Van de Velde hängen bis an die Decke der Galerie Zink. Galerist Michael Zink hat sich den Belgier nicht von ungefähr für den Neu- und Wiederbeginn in Berlin ausgesucht. Van de Velde gehört trotz seines zarten Alters bereits seit längerem in das Programm der Galerie, er ist aufstrebend und eigenwillig und rückt mit seiner monumentalen, installativen Arbeitsweise die Architektur des Neubaus in der Linienstraße hinter der Volksbühne in den Mittelpunkt. Seit 2007 ist die Galerie Zink in der Hauptstadt, ehemals war sie in der Schlesischen Straße in Kreuzberg untergebracht. Ihren Standort in München schließt sie nun endgültig. „Mir fehlten dort die Impulse“, sagt Zink. Ob und wie sich das Profil in Berlin verändern soll, möchte er noch nicht verraten.

Rinus Van de Velde hat die freien Flächen neben den Papierbögen mit großbuchstabiger Handschrift gefüllt. „I want an image that appears. That doesn’t lie. That is just right there inside me“, steht dort geschrieben. Die Passage ist eine der programmatischen Stellen in diesen Gedankenströmen über Kunst. Van de Velde macht es genau umgekehrt: Er kreiert keine Bilder aus sich heraus, sondern bedient sich der bereits vorhandenen Bilderwelt. Er stellt seinen Kosmos aus Bausteinen zusammen, die theoretisch jeder von uns schon einmal gesehen haben könnte. Seine Quelle sind Fotos aus wissenschaftlichen Heften, Reisezeitschriften und Magazinen. Irgendwie vertraut kommen einem die tiefschwarzen Motive mit dem souveränen Strich daher (3100–18 000 Euro). Und doch bleibt man als Betrachter seltsam außen vor. Denn man blickt auf eine skurrile, seltsam aus der Zeit gefallene Motivmischung aus exotischen Maskenköpfen, klassischen Marmorskulpturen, einsamen Hüttendächern und futuristischen Menschenversuchen. Clark Gable ist im Profil zu erkennen, genauso wie Francis Bacons chaotisches Atelier .

Van de Velde tritt mit anderen Künstlern in einen fiktiven Dialog, in dieser Installation „with nothing but myself“ sagt er sich von dem russischen Dichter Wladimir Majakowski los, den er in früheren Arbeiten hatte auftauchen lassen. Der Ich-Erzähler in den Texten: Ist es der Belgier selbst? Oder aber Majakowski? Der Dargestellte auf dem Bild daneben? Die Grenzen verschwimmen. Genauso sanft, wie Van de Velde die Kohlestriche mit dem Finger verwischt. Anna Pataczek

Galerie Michael Zink, Linienstr. 23; bis 21. Mai, Di–Fr 13–18 Uhr, Sa 12–16 Uhr.

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