Kultur : Kosmos Küche

Melancholisch: „Zimt und Koriander“

Daniela Sannwald

Eine weibliche Brust in Großaufnahme als erstes Filmbild führt zu falschen Schlüssen: Weniger erotisch als aromatisch verwirrt ist der Athener Astrophysiker Fanis, der seine Kindheit im Lebensmittelladen seines Großvaters verbrachte. Damals lebte die Familie in Istanbul, der schönsten Stadt der Welt, wie Fanis’ Großvater den Jungen lehrte. Nun hat sich der Alte bei Fanis nach knapp 40 Jahren zu Besuch angesagt.

Großvater Vassilis taucht aber wieder nicht auf, stattdessen erinnert sich Fanis seiner Kindheit in der zauberischen Atmosphäre von Opas Gemischtwarenladen, in dessen Lager er mit der Nachbarstochter Saime spielte. Dort auch erklärte ihm das Universalgenie Vassilis anhand von Astronomie die Gastronomie: Nicht umsonst stecke das eine Wort im anderen. Küche und Kosmos bestimmen Fanis’ unbeschwerte Kindheit der späten fünfziger Jahre. Dann werden die griechischen Familien aus der Türkei ausgewiesen: Fanis verliert den Großvater und die beste Freundin Saime zugleich.

Tassos Boulmetis hat eine melancholisch Familienkomödie inszeniert. Bunte Glasfenster, milchiges Licht, in dem Staubkörner tanzen, verwischte Spuren von Gewürzpulvern – das sind die visuellen Attraktionen dieses klugen, freundlich-sinnlichen Films, der Fanis noch einmal in Istanbul mit seiner Jugendliebe zusammenführt. Und das fast ohne Rührseligkeit.

In sechs Kinos; Moviemento (OmU)

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