Kultur : Kräfte bündeln: Kurz & Bündnis (Glosse)

Rüdiger Schaper

Das gesuchte Wort steht im Duden zwischen Bums und Bungeejumping. Da passt es auch gut hin, nach seiner inneren Dramaturgie. Denn immer, wenn es bums gemacht hat, wenn das Seil gerissen ist, dann wird das Zauberwort hervorgeholt - Bündnis! Mit einem Bündnis für Arbeit hat Schröder den Bundestagswahlkampf gewonnen. Neuerdings schlägt der Bundeskanzler ein Bündnis für Gentechnik vor, nachdem der Bundeskulturbeauftragte Michael Naumann bereits ein Bündnis für den Film ins Leben gerufen hat. Und hier das Neueste aus dem deutschen Krisengebiet: Prominente fordern nach dem EM-Debakel ein Bündnis für den Fußball. Vereine, DFB-Funktionäre müssten sich zusammensetzen, und zwar schonungslos, am besten an einem Runden Tisch. Nichts geht mehr. Da muss man die Kräfte bündeln. Hatten sich die Bündnisgrünen auch einmal gedacht. Und wie weit sind sie damit gekommen? Bis in die Bundesregierung - und an den Rand des Abgrunds. Eins ist klar: Wer Bündnis sagt, dem fällt nichts mehr ein. Dem hat es die Sprache verschlagen. Der sucht Halt bei anderen Schwachen. Der Ruf nach einem Bündnis (für häufigeren Sex, für unverlierbare Socken etc.) ist stets das letzte Mittel, absurd und sinnlos. Wenn alle Hoffnung dahin ist, kommt die Bündnisfrage auf. Wie bei der deutschen Fußballnationalmannschaft, die überhaupt keine Bindung zum Spiel gefunden hat. Anders ist es beim Bund. Den kann man schließen für das ganze Leben und weit darüber hinaus - den alten Bund für das Alte, den neuen für das Neue Testament. Und da liegt die Lösung. Wir brauchen kein Bla-Bla-Bündnis, sondern einen Bund. Einen neuen deutschen Fußballbund. Und einen neuen Bundestrainer. Nach Lage der Dinge wird es aber wieder nur einen Bündnistrainer geben. Und einen neuen, alten Geheimbundchef namens Müller-Rückraum oder so: Der nächste Duden-Eintrag lautet Bunker.

0 Kommentare

Neuester Kommentar