Kultur : Kräftespiel

Wer macht das Rennen: Köln oder Brüssel?

Nicole Büsing/Heiko Klaas

170 Galerien kamen zur Art Brussels, die Stimmung war gut, verkauft wurde auch. Dabei war es gerade deutschen Händlern zuvor schwergefallen, sich zwischen den parallelen Kunstmessen Art Cologne und Art Brussels zu entscheiden. 19 Teilnehmer aus Berlin gaben Brüssel den Vorzug – ein eindeutiges Votum. Und einige, wie etwa Sprüth Magers, zeigten auf beiden Messen Präsenz.

Unterschiedlich waren dagegen die Motive. So fand Aeneas Bastian (Galerie Upstairs, Berlin) „die Art Cologne nicht so lebendig wie die Art Brussels mit vielen jungen Galerien und einer gesamteuropäischen Note. Hierher sind Franzosen, Sammler aus Amsterdam und Luxemburg gereist, auch deutschsprachige Belgier und deutsche Sammler. Viele waren gar nicht in Köln, gerade aus der deutsch-belgischen Grenzregion.

Der Münchner Galerie Zink, die Ende des Jahres die Wiedereröffnung ihrer Berliner Filiale plant, fiel die Entscheidung ebenfalls leicht: „Wir vertreten zwei belgische Künstler, die noch keine Brüsseler Galerie haben und können hier den Kontakt zu unseren belgischen Sammlern ausbauen“, hieß es am Stand. Einer davon ist der Zeichner Ante Timmermans, Jahrgang 1976. Er war mit einer wandfüllenden utopischen Stadtansicht am Stand vertreten (12 000 Euro). Daneben gab es kleine Formate bereits ab 690 Euro.

Eine Entdeckung konnte man am Stand von Zak Branicka machen. Die Berliner Galerie zeigte junge polnische Maler mit surrealer Bildsprache, die an der Kunsthochschule in Zielona Góra ausgebildet wurden. Die Galerie wurde für das First-Call-Programm für Erstteilnehmer ausgewählt. Asia Zak: „Für uns ist es wichtig, dass die Galerien hier internationaler sind als in Köln. Sammler aus dem Rheinland kommen ohnehin häufig nach Berlin. Hierher nach Brüssel kommen die belgischen, französischen und niederländischen Sammler, die man sonst auf der Fiac trifft. Aber für uns als junge Galerie mit günstigen Künstlern ist die Fiac zu teuer, deshalb ziehen wir Brüssel vor.“

Martin Mertens nimmt zum dritten Mal an der Art Brussels teil. „Ich überlege, nächstes Jahr beide Messen zu machen“, sagt der Galerist aus der Brunnenstraße. „Ich kenne Köln, ich bin in der Umgebung aufgewachsen. Das Kölner Publikum ist gut informiert und qualifiziert.“ Eine Entzerrung der Termine war von vielen Seiten gewünscht und wird jetzt umgesetzt. Die Brüsseler Direktorin Karen Renders und Art-Cologne-Chef Daniel Hug stimmten für die nächsten vier Jahre ihre Terminkalender ab. Künftig wird es zumindest eine Woche Luft zwischen Köln und Brüssel geben.Nicole Büsing/Heiko Klaas

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