Kultur : Kräuterbitter

Werner van Bebber

Die Wirkung des Kräuterschnapses Fernet-Branca ist in vielen Selbstversuchen erforscht, aber wenig dokumentiert. James Hamilton-Peterson wollte das ändern. Der britische Autor ist seit langem von Flüssigkeiten fasziniert. Einige seiner Bücher, Erzählungen und Reportagen handeln vom Wasser, vom Leben an den Rändern des Wassers, vom Tauchen. Nun hat er sich von den Ufern entfernt. In dem Roman „Kochen mit Fernet-Branca“ schickt er seinen Protagonisten, einen Briten im vorgerückten Alter, auf einen Berg im nördlichen Italien. Hier geht es nicht mehr um Wasser und was das Licht damit macht, sondern um die Wirkung des italienischen Bitters in dunklen Flaschen. Jack London hat dem Alkohol ein beklemmendes Buch gewidmet, Wilhelm Busch hat seinen Raben Hans Huckebein am Likör zugrunde gehen lassen. Hunter S. Thompson schrieb Tequila- oder Wild-Turkey-getrieben.

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Glaubt man James Hamilton-Paterson, dann befördert Fernet-Branca die Tendenz zur Satire. Die Bergwald-Einsamkeit des Briten findet ihre Grenze am Haus in Sichtweite von dessen Insassin. Sie nötigt den Briten zu gemeinsamen Mahlzeiten auf der Grundlage osteuropäisch-russischer Rezepte. Er wiederum nötigt sie und quält sich mit Fernet-Branca-Kampftrinken. Allerlei Verdauungsgeräusche begleiten die eher unappetitlichen Gastmähler, und eigentlich weiß man nicht, warum sich die beiden Bergbewohner miteinander aufhalten. Oder doch? Hamilton-Patersons Antiheld ist von Beruf Ghostwriter. Er quält sich mit einer Auftragsarbeit, die er nur erfüllt, um eine Immobilie bezahlen zu können. So liest sich auch „Kochen mit Fernet-Branca“.

James Hamilton-Paterson: Kochen mit Fernet-Branca. Roman. Aus dem Englischen von Hans-Ulrich Möring. Klett-Cotta, Stuttgart. 364 Seiten, 22,50 €.

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