Kultur : Kraft zum Rückkauf

KUNST

Jens Rönnau

Ein Gemälde kehrt nach 66 Jahren in die Kieler Kunsthalle zurück: „Kiefernstämme im Sonnenlicht“ von Christian Rohlfs. Der Künstler malte es 1903 – ein flirrendes Farbengeflecht, nicht weit vom Realismus entfernt. Dennoch erregte es den Unmut der Nazis, die 1937 156 Kunstwerke aus der Kieler Kunsthalle beschlagnahmten, um sie zunächst den Schmähausstellungen der „Entarteten Kunst“ zuzuführen und später dem Devisen bringenden Verkauf ins Ausland. Anlässlich des Bildrückkaufs hatte Kiels neuer Kunsthallenchef Dirk Luckow vier Wissenschaftler zu einer Tagung nach Kiel geladen: Wolfgang Wittrock, Uwe Fleckner und Andreas Hüneke aus Berlin sowie Christoph Zuschlag aus Heidelberg. Zuschlag resümierte die Folgen der NS-Kunstpolitik: Während man die künstlerische Elite vertrieb, erlangte die deutsche Kunst des Expressionismus weltweite Berühmtheit. Den betroffenen Museen hilft das heute wenig. Rückkäufe damals verschleuderter Werke bilden die Ausnahme. Hier möchte die Ferdinand-Möller-Stiftung sensibilisieren, so Vorstandsmitglied Wolfgang Wittrock, der die Stiftung 1995 mitbegründete. Sie erhielt ihre Basis aus den Nachlassmitteln des Kunsthändlers Ferdinand Möller, der verfemte Kunstwerke für die Nazis veräußerte. Insgesamt wurden bis zu 20000 Kunstwerke beschlagnahmt, schätzt Andreas Hüneke, der für die Forschungsstelle „Entartete Kunst“ arbeitet, die Uwe Fleckner am Kunsthistorischen Institut der FU Berlin eingerichtet hat. Hier wird ein vollständiger Katalog aller beschlagnahmten Kunstwerke erstellt, die bis 2007 in Buchform und via Internet erscheinen sollen. Darüber ist geplant, die Dokumente in einem Zentralarchiv öffentlich zugänglich zu machen.

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