Kultur : Krawallbrüder

Das Hip-Hop-Kollektiv Odd Future in Berlin.

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Was da los ist, wenn so eine Horde junger Rebellen über die Bühne hüpft! Als die siebenköpfige Odd Future Wolf Gang Kill Them All am Montagabend das Huxleys stürmt, sind die Trikots und die Baseballmützen der Fans sofort nass geschwitzt, denn die Luft brennt sowieso schon. OFWGKTA sind derzeit eine einflussreiche Nummer im Hip-Hop und R ’n’ B. Bandmitglieder wie Earl Sweatshirt oder zuletzt Frank Ocean haben zuletzt richtungsweisende Alben produziert. Allerdings fehlen die beiden an diesem Abend im Rap-Kollektiv, was deren energiegeladenen Auftritt aber kaum stört. Die Genossen Tyler, the Creator, Hodgy Beats, Mike G. und Anhang zelebrieren sechsstimmigen Sprechgesang und Sport.

In den besten Momenten hat man das Gefühl, da flitzen sieben durchgeknallte schwarze Brüder von Beavis & Butthead über die Bretter und betreiben ihren ganz eigenen Breakdance. Die 1500 Menschen im Huxleys freut’s. Technisch perfekt ist das hingegen nicht: Der Sound lässt mal zu wünschen übrig, mal bricht ein Stück ab. So misslingen auch einige ihrer Hits, einzig: Das stört nicht. Denn die Gang versteht es zu unterhalten und schafft es, die Attitüde von Gruppen wie N.W.A. oder Public Enemy in die heutige Zeit zu transportieren. Selbst wenn die MCs abgegriffene Zeilen wie „Life’s a bitch“ , „Fuck the police“ oder „Break the law“ anstimmen, kommt keine Langeweile auf – dank des ironischen Nachhalls, der bei den Jungs immer mitschwingt. Insbesondere die Stimme von Tyler, the Creator passt hervorragend zu den tiefen, doomigen, für Hip-Hop teils unkonventionellen Sounds aus der Konserve. Die Menge hat Spaß dabei, einer wilden jungen Bande aus Los Angeles beim Spaßhaben zuzusehen. Keine Offenbarung, aber ein großes Spektakel. Jens Uthoff

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