Kultur : Kreditanstalt für Wiederaufbau: Der Charme des Geldes liegt in seiner Menge

Falk Jäger

Das "Ärmel aufkrempeln, zupacken, aufbauen" Franz Josef Degenhardts hatte die Frankfurter Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) jahrzehntelang finanziell unterfüttert. Als man schon erwog, das Institut umzubenennen, kam mit der Wende das "Baut auf! Baut auf!" der FdJ hinzu. Die Hälfte aller Wohnungen in den neuen Ländern ist mit KfW-Hilfe renoviert, Betriebsgründungen und Konversionen sind finanziert worden. Außerdem hatte Deutschlands größte Förderbank die DDR-Staatsbank mit 400 Mitarbeitern übernommen - und deren Liegenschaften am Gendarmenmarkt. Nun, bei der gestrigen Eröffnung ihrer neuen Niederlassung, erwies der Kanzler mit drei Ministern den Aufbauhelfern seine Reverenz.

Wenn in Berlin-Mitte Gerüste fallen und ein Ensemble am Gendarmenmarkt in frischem Glanz erstrahlt, wird es offenkundig, wie nachhaltig hier kulturelle Werte jahrzehntelang vernachlässigt worden waren. Doch wo wenig Mittel vorhanden waren, konnte nicht viel grundlegend verändert werden; so gibt es denn immer wieder positive Überraschungen, wenn die Bauarchäologen eine Trennwand wegreißen, eine Pappdecke abnehmen, Tapeten abschälen oder Schichten Ölfarbe ablösen, wie es die Denkmalpfleger Volker Hübner und Christiane Oehmig im Gebäude der ehemaligen Berliner Handelsgesellschaft getan haben. Nun, da sich die KfW mit ihrer Berliner Vertretung in dem Ensemble einrichtete, konnte die noble Finanzhausarchitektur der Jahrhundertwendein ihre angestammte repräsentative Funktion eingesetzt werden. Alfred Messel hatte 1895 den Wettbewerb für den Bankneubau zwischen Behrenstraße und Gendarmenmarkt für sich entschieden. Bekannt ist der Architekt der "Vormoderne" für den epochalen Wertheim-Bau am Leipziger Platz. Dem Eklektizismus entsagte er und betrieb die formale Reduktion. Das Haus der Handelsgesellschaft gestaltete Messel in jenem gebremsten preußischen Klassizismus, der es irgendwie zuwege brachte, Palladio und Knobelsdorff, italienischer Renaissance und deutschem Frühklassizismus den Esprit auszutreiben. Die halbe Friedrichstadt stand voll mit diesen schwerlastigen Bank- und Bürohäusern mit mächtigen Rustika-Sockeln, kolossalen Säulen- und Pilasterordnungen. Messels Bankhaus gehört noch zu den feingliedrigeren Exemplaren. Im Inneren kam er dann doch mit detailreicherem Dekor dem Repräsentationsbedürfnis seiner Auftraggeber nach. Das "Fürstenbergtreppenhaus" zeigt noch diese verhaltene Pracht. "Der Charme des Geldes liegt in seiner Menge", ist ein Bonmot, das vom legendären Bankier Carl Fürstenberg überliefert ist. Der orderte 1905 bei Messel einen Erweiterungsbau für gediegene Gesellschaftsräume und seine Privatwohnung. Trotz Kriegsschäden konnten hier noch Stucco-Lustro-Wände restauriert, bronzene Geländer und Türen repariert werden. An den Wohnungstüren endet freilich die Pracht, dahinter regiert nun die Moderne.

Im "Direktionstreppenhaus" konnten die sandsteinernen Säulen in ihrer originalen Erscheinung wieder gewonnen werden, während im Haupttreppenhaus vielfache Übermalungen irreversible Schäden hinterlassen hatten, was die Denkmalpfleger zu einer Imitatfassung zwang. Im Eckgebäude an der Charlottenstraße befreiten die Denkmalpfleger das in prächtigen Renaissanceformen gestaltete Vestibül und die Kassenhalle von Einbauten und Verkleidungen, restaurierten die Fußbodenintarsien aus Carrara-Marmor und "Verona rosso". Die große Kassenhalle ist nur in den Grundzügen, nicht mit Dekordetails erhalten, die Flure und Büroräume wurden von ABB Architekten in gediegener, wenngleich wenig inspirierter Moderne ausgestaltet. ABB, ein in den 50er Jahren namhaftes Frankfurter Kommerzbüro, hatte am Main mehrere Bankhochhäuser und die Gebäude der KfW gebaut. Zwei Neubauten als Ergänzung des Blocks waren auch beim Berliner KfW-Projekt zu planen. Den neuen Eckhäusern an der Behrenstraße gelingt es weder, mit Messels Architektur zu korrespondieren, noch mit eigenständigen Qualitäten zu überzeugen. Die Bürohäuser - große Glasflächen, ein mit beigem Granit verkleidetesm Skelett - gehören zum Banalsten, was in jüngerer Zeit im Quartiere entstanden ist. Immerhin stehen sie mit Blockheizkraftwerk, Regenwassernutzung und Photovoltaikanlage für den ökologischen Ansatz, den die KfW in ihren Förderprogrammen vertritt.

Bald wird die nördliche Friedrichstadt wieder mit Bausubstanz aufgefüllt sein. Der KfW-Block gehört dabei eher zur Füllmasse. Die Sahnehäubchen sehen anders aus.

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