Kultur : Kreuz-As für das Telefon

Das Prinzip Hoffnung beim Auktionshaus Lempertz

Michaela Nolte

Auch Auktionen erzielen Traumergebnisse nur selten in Folge. Dem Kunsthaus Lempertz bescherte die Herbstauktion 2004 einen Welthöchstpreis für ein Merz-Relief von Kurt Schwitters, Rekorde für El Lissitzky und Richard Estes auf dem europäischen Kontinent sowie einen nationalen Spitzenplatz für Lucio Fontana. Am vergangenen Wochenende aber blieb es unspektakulär. Das Kölner Auktionshaus schloss mit seiner Kunst der Moderne und der Gegenwart bei einem Gesamtumsatz von 7,7 Millionen Euro ab. Ein stabiles Resultat zumindest im Vergleich zum Frühjahr 2004.

Den eigenen Fontana-Rekord hatte man mit einem „Concetto Spaziale – Attese“ zu überflügeln erhofft. Doch die Käufer zeigten sich in den höheren Kategorien wählerisch. Mit einem Untergebot von 320 000 Euro geht die Leinwand mit fünf Schnitten in die Nachverhandlungen. Das Gleiche gilt für Emil Noldes „Spätherbst“ von 1928, dem Hauptlos der Moderne, dessen Schätzpreis von 800000 bis zu einer Million Euro eben nur eine hypothetische Bewertung war. Solche Summen bleiben verhandelbar, findet sich im Saal kein Bieter.

So hofft nun ein Museum auf Nachverhandlungen mit dem Einlieferer und entsprechenden Preisnachlass. Auf diese Weise avancierte Pablo Picassos Stillleben mit Kreuz-As und Glas zur Trumpfkarte mit 512000 Euro, die ein anonymer Telefonbieter für die kleine Materialcollage aus der Phase des „poetischen Kubismus“ zog. Auf den Plätzen zwei und drei folgten ein „Selbstbildnis“ von Paula Modersohn-Becker mit insgesamt 305000 Euro und Willi Baumeisters „ARU 3“, das mit 232000 Euro über die Taxe gehoben wurde.

Zumindest wurde für die zeitgenössische Kunst mit über drei Millionen Euro eines der besten Ergebnisse in diesem prosperierenden Marktsegment erzielt. Daniel Richters abstrakter Farbrausch „Wet Kiss II“ trug mit 56000 Euro dazu bei, blieb allerdings innerhalb der Schätzung. Dagegen verdoppelte sich die Taxe für eine Scheibe von Blinky Palermo und spielte 71000 Euro ein. Bei Piero Manzonis „Achrome“ von 1958/59 schlug der amerikanische Handel mit 142 000 Euro zu. Das Prinzip Hoffnung aber gilt weiter, zumindest für Fontana und den Nolde.

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