Kultur : Krieg auf dem Wasser

Pfeilschnell: Leiko Ikemura mit ungewohnten Gemälden in der Wohnmaschine

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Ein Phantom pflügt durch den Himmel. Schlank und schwarz, ein Luftjäger, der den dunklen Horizont mit ungeheurem Tempo schneidet. Wie Leiko Ikemura diese Geschwindigkeit in ein Gemälde holt, das den Moment im Abbild eigentlich einfriert, gehört zu den Geheimnissen ihrer Malerei. Genau wie die Serie „Asuka“, die seit 2005 im Kreuzberger Atelier entstanden ist – und die Leiko Ikemura in der Galerie Wohnmaschine nun zum ersten Mal zeigt.

Es sind ungewöhnliche Sujets für die renommierte Malerin und Professorin an der UdK Berlin. Seestücke mit Schiffen und Flugzeugen im Zentrum der Bilder, in dem sonst ephemere Mischwesen Platz nehmen. Und obwohl die Szenerien mit fahrenden oder fliegenden Maschinen in dunstiger Atmosphäre ähnlich poetisch wirken wie die anonymen Mädchenporträts, holen einen die Titel der neuen Bilder rasch in die Realität zurück: „Marine 82“, „Pacific Ocean“ und „Warship Small“. Während „Asuka“ als Ausstellungstitel auf eine Epoche der japanischen Geschichte anspielt, in der sich das Land seine erste Verfassung und damit eine nationale Identität gab, assoziieren die Bilder in der Galerie die militärischen Auseinandersetzungen zwischen Japan und den USA 1941. Ein Krieg, der das kulturelle Selbstverständnis der asiatischen Nation empfindlich verletzte.

Davon – und von der latenten Bedrohung durch eine tödliche Maschinerie – erzählen die Motive. Nicht illustrierend, sondern wie immer bei Ikemura in jenem abstrakten Modus, der die Motive rein aus der Farbe erstehen lässt und stets kurz vor der Auflösung hält (Preise: 5000 bis 25 000 Euro). Im Nebenraum ergänzt der Architekt Philipp von Matt dieses Thema durch ein Mobile aus spitzen Stahlstangen. Wie pfeilschnelle Vögel, deren labiles Gleichgewicht die luftige Komposition an dünnen Fäden jederzeit zur Waffe machen kann. Christiane Meixner

Wohnmaschine, Galerie Loock, Invalidenstr. 50/51; bis 23.10.; Di–Sa 11–18 Uhr.

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