Kultur : Krieg der Meinungen: Letzte Nachrichten von der Heimatfront

Die Bundesregierung hat nach Ansicht des Autors und Literaturwissenschaftlers Walter Jens "all ihren Idealen abgeschworen".Er hoffe, daß sie, sollte das Elend im Kosovo weiterhin wachsen, von der Basis davongejagt werde, sagte Jens im Deutschlandfunk.Er warf den westlichen Staaten vor, das Elend der Kosovo-Flüchtlinge einseitig in den Vordergrund zu rücken.Jens mahnte Sympathie mit den "Zerbombten" an: Sein Widerstand gegen die NATO-Offensive werde mit jedem Tag entschiedener.

Der ungarische Schriftsteller György Konrad hat eine Rückkehr zu politischen Verhandlungen gefordert.Der Krieg kenne nur das Gesetz der Eskalation, schreibt Konrad, der auch Präsident der Berliner Akademie der Künste ist, in einem im Internet veröffentlichten Beitrag.Der Einsatz militärischer Mittel allein werde das Töten in Jugoslawien nicht beenden können: "Die politische Elite der internationalen Gemeinschaft mußte wissen, daß mit der Unterstützung der separatistischen Bestrebungen in der jugoslawischen Bundesrepublik die Menschenrechte und die legitimen Autonomieansprüche kultureller Minderheiten der nationalistischen Hysterie untergeordnet würden."

Mit Gelassenheit hat der Präsident der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung, Christian Meier, auf Peter Handkes angekündigte Rückgabe des Büchnerpreises reagiert.Noch habe der österreichische Schriftsteller die 10000 Mark Preisgeld (von 1973) nicht zurückgeschickt, erklärte der Althistoriker am Donnerstag der ."Ich weiß auch gar nicht, ob er überhaupt unsere Kontonummer hat.Oder schickt er einen Scheck?" Außerdem seien "da ja eine Menge Zinsen und Zinseszinsen angefallen seit 1973." Die wolle er dann eigentlich auch zurückhaben, sagte Meier.Statt das Geld zurückzusenden, solle Handke es lieber für Kosovo-Flüchtlinge spenden.Auf die Frage, wie er die proserbischen Äußerungen Handkes beurteile, antwortete Meier: "Ich bin ja kein Psychiater."

Der Autor und Kunstsammler Lothar-Günther Buchheim respektiert die proserbische Haltung des österreichischen Schriftstellers Peter Handke, aber die angekündigte Rückgabe des Büchner-Preises sei nicht der richtige Weg."Für solche Kleinaktionen ist die Sache zu ernst", sagte Buchheim.Gleichzeitig wandte er sich dagegen, die "selbständige Meinung eines nachdenklichen Menschen einfach zu verdammen".Er empfinde Solidarität für Menschen, die noch nicht durch den Boulevard-Journalismus im "Nichtdenken versumpft sind".



Der Schweizer Schriftsteller und Büchner-Preisträger Adolf Muschg wandte sich gegen eine allzu billige Verurteilung Handkes.Muschg erklärte : "Wer, was nichts kostet, den Unsinn von Handkes Aktionen feststellt, wird höflich gebeten zu sagen: a) worin er, ohne schamrot zu werden, heute noch den Sinn des NATO-Bombardements zu erkennen vermag, und b) wieviel Mühe er sich gemacht hat, Handkes Gedanken zum Bestand des früheren Jugoslawien gewissenhaft nachzudenken."

Der Kölner Rocksänger Wolfgang Niedecken plädiert für weitere Nato-Luftangriffe.Der jugoslawische Präsident Slobodan Milosevic sei ein "kaltblütiger, kalkulierender Zyniker", sagte Niedecken.Bei einer Annahme des Waffenstillstandsangebotes hätte Milosevic "seine Truppen nur neu sortiert und nach dem orthodoxen Osterfest dort weitergemacht, wo er vorher aufgehört hat." Die Friedensbewegung "oder das, was davon übrig geblieben ist", warnte Niedecken davor, sich "zu nützlichen Idioten machen zu lassen": Es wäre "erbärmlich, wenn sich die Friedenbewegung jetzt vor den Karren der PDS spannen ließe."

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