Kultur : „Krieg hilft nicht gegenTerrorismus“

Günter Grass: Rot-Grün sollte Nord-Süd-Konflikt beachten

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Die rot-grüne Bundesregierung sollte nach Ansicht von Günter Grass in der neuen Legislatur-Periode dem Nord-Süd-Konflikt als einer der zentralen Ursachen des Terrorismus Priorität einräumen. „Wenn man den Mut hat – aus meiner Sicht zu Recht –, ein folgenreiches Abenteuer, die Teilnahme an einem Irakkrieg, zu verweigern, sollte man auch den Mut haben, an die Wurzeln des Übels zu gehen und mit vernünftiger Entwicklungspolitik zu helfen“, so der Literaturnobelpreisträger. Er forderte deshalb, den Etat des von Heidemarie Wieczorek-Zeul „sehr gut geführten“ Entwicklungshilfeministeriums aufzustocken; dies könnte Signalwirkung auch für andere Länder haben.

Grass erinnerte daran, dass bereits Willy Brandt als Vorsitzender der Nord-Süd-Kommission eine neue Weltwirtschaftsordnung angemahnt hatte, um der Verelendung und Hungersnöten entgegenwirken zu können. „Nicht einmal die Schulden werden der so genannten Dritten Welt erlassen. Wenn man diese Staaten über Jahrzehnte hinweg in Abhängigkeit hält, ihnen nicht den Zutritt zu den Märkten erlaubt, ihre Rohstoffe ausbeutet, ohne dass sie ausreichend Gewinn davon haben, dann steigert sich aus der Enttäuschung Wut, dann Hass und aus dem Hass kommt der Terrorismus“, sagte Grass. Es sei ein Irrtum zu meinen, man könne den Terrorismus allein mit Waffen bekämpfen. „Diese Kriege schaffen nur eine neue Generation von weiteren Terroristen.“

Der Irak muss laut Grass sein Potenzial an Massenvernichtungswaffen offen legen und dieses müsse vernichtet werden. Der Autor wandte sich aber gegen einen Krieg. „Pakistan ist zumindest eine genauso schlimme Diktatur wie der Irak und besitzt Atomwaffen. Kein Mensch kommt auf die Idee, weil dort das Atomwaffenpotenzial lagert, einen Krieg gegen dieses Land zu begehen.“ Der Westen könne nicht jede Diktatur, die ihm nicht passe, gewaltsam stürzen. In den USA falle es vielen Politikern schwer, sich selbst ohne einen Feind zu definieren. Zusätzlich spiele möglicherweise bei Bush junior eine Rolle, dass er vor dem Vater, Bush senior, bestehen wolle – „wie so eine Shakespeare-Tragödie in Trivialform“.

Aufmerksamkeit sollte Rot-Grün auch benachteiligten Schichten in der Bundesrepublik schenken. Er verwies auf den Armutsbericht der Bundesregierung, wonach zehn Prozent der Bevölkerung an der Armutsgrenze oder darunter lebten. Auf der Frankfurter Buchmesse wird Grass den von ihm mitherausgegebenen Sammelband „In einem reichen Land“ (Steidl Verlag) vorstellen. dpa

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