Kultur : Krieg im Gepäck

Daniel Völzke

Gegenüber, auf der anderen Straßenseite, steht eine kleine Freiheitsstatue und winkt Kunden in ein Reisebüro. Selbst in lächerlichem Gelb wirkt sie noch verheißungsvoll. In der Berliner Außenstelle der New Yorker Galerie Goff + Rosenthal hingegen werden die amerikanischen Symbole vollends demontiert, demoliert, demaskiert. „From our livingroom to yours“ nennt sich die Gruppenausstellung mit sechs Künstlern (bis 17. März, Brunnenstraße 3) . Heißt wohl: Nach Amerika braucht man nicht zu reisen, Amerika kommt zu dir. Und bringt Krieg mit. Bill Lohre hat das Weiße Haus aus Karton nachgebaut (5000 Euro). Geschütze und Raketen ragen vom Dach. Die Freiheit wird nicht nur am Hindukusch verteidigt, sondern auch auf der Terrasse des Weißen Hauses. Und natürlich in jedem Wohnzimmer, jeder Küche: Jon Elliott malt düstere Landschaften, in denen sich Bildschirme zu babylonischen Türmen stapeln (6000 bis 10 000 Euro), Trong Nguyen formt aus Plexiglas Torten, auf denen „Happy Birthday War“ steht (1400 Euro). Komplexer sind die Wandarbeiten aus Papier von Marci MacGuffie . Aus einer ihrer wuchernden Collagen hat sie ein Rechteck ausgeschnitten. Inmitten der farbigen Vielschichtigkeit prangt die weiße Wand. Etwas ist verloren gegangen, wird verborgen, zensiert. So unpolemisch kann politische Kunst sein (18 500 Euro).

Einen „Wohnzimmerkrieg“ der anderen Art zeigt die Berliner Malerin Myriam Quiel in ihrer gleichnamigen Einzelausstellung bei Dörrie & Priess (bis 17. März, Yorckstraße 89 a) . Die 32-Jährige bringt mit wildem Farbauftrag Spielzeug, Alltagsgegenstände und Puppen auf die Leinwand (1600 bis 6800 Euro). Es dauert ein wenig, bis man sich in diesen Bildräumen orientiert hat. Doch dann füllen sich die Relikte der Kindheit mit dämonischem Leben: Da beißt ein Saurier einer Barbie in den Kopf, ein Rennfahrer rast gegen eine Kiste, maskierte Dummys belauern sich dazwischen. Ein Setting, das beim Betrachter jedes heimelig-sentimentale Gefühl zunichte macht.

In der Galerie E sther Schipper (bis 10. März, Linienstraße 85) wird der Besucher Teil eines düsteren Settings. Auf dem Boden sitzt eine männliche Gestalt. Dreckige Kleidung, das Gesicht verborgen, eine Hand ruht auf seinem Bein. Ein Rätsel. Tritt man näher, erzittert die Figur und seufzt. „Monster“ nennt das Berliner Künstlerduo RothStauffenberg seine cineastische Installation. Ist dieser Mann das Monster, diese Hand das Werkzeug seiner Tat? Auch der Blick in einen zweiten Raum durch ein kleines, netzverhangenes Fenster gibt keine Auskunft. Ein Hotelzimmer wird von Licht, Schatten und Straßenlärm durchweht, die Betten sind zerwühlt, in der Wand ein Loch. Landmarks einer bedrückenden Geschichte, die sich eher erspüren als erzählen lässt (Preis auf Anfrage).

0 Kommentare

Neuester Kommentar