Kultur : Krieg in Afghanistan: Mit Infrarot gegen Gotteskrieger

Ruth Ciesinger

Im anstehenden Bodenkrieg in Afghanistan verweisen die USA siegesgewiss auf ihre technologische Überlegenheit gegenüber den Taliban. Doch wie sehr diese ihnen im Höhlen- und Tunnelsystem des Hindukusch weiterhilft, ist fraglich.

Ein jahrhundertealtes System von Gängen und Kanälen durchzieht das Gebirge, an denen schon die sowjetischen Soldaten gescheitert sind. Selbst mit Infrarot-Technik ausgestattete Aufklärungshubschrauber können diese Verstecke der Gotteskrieger nicht so einfach ausmachen. Besonderes Problem: Für verlässliche Aufnahmen müsste der Helikopter in die Schluchten hineinfliegen. Dazu muss er die Flugabwehrraketen der Taliban mit Störmanövern ablenken. Zusätzlich nötig sind Kampfhubschrauber, die Angriffe durch Flugabwehrgeschütze oder Maschinengewehre verhindern. Dieses Problem hätten schon die Sowjets gehabt, erläutert Ottfried Nassauer vom Berliner Informationszentrum für transatlantische Sicherheit. Er glaubt nicht, dass solche Einsätze "ohne Verluste" durchzuführen sind. Zudem geben die Hubschrauber-Bilder nur eine Momentaufnahme der Situation wieder. Wenn Bodentruppen nachrücken, hat die Lage sich vielleicht wieder geändert, gibt Nassauer zu Bedenken.

Diese Spezialeinheiten sind mit Laptops zur Erkundung des Gebietes, Helmen mit Infrarot-Kameras und Nachtsichtgeräten ausgestattet. Das US-Armeegewehr vom Typ M-14 enthält eine Laservorrichtung, die Distanzen genau kalkulieren kann, und die auch die Körperwärme von Menschen registriert. Allerdings hilft das in gebirgigem Gelände nur bedingt, wo Felsbrocken die Sicht versperren. Zudem operieren diese Eliteeinheiten laut Nassauer nur in kleineren Gruppen - im Gegensatz zu den Taliban, die sich vielleicht zu Hunderten in einer Höhle verbergen und als Verteidiger im Vorteil sind. Insgesamt beurteilt Nassauer die Erfolgsaussichten der Bodentruppen eher skeptisch - es sei denn, die Vereinigten Staaten zaubern noch eine unbekannte Wundertechnik aus dem Zylinder.

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