Kultur : Krieg in Afghanistan: Sie wollen sichergehen

Claudia von Salzen,Armin Lehmann

Es eilt. Die Diplomaten wissen das nur zu gut. Nach den militärischen Erfolgen der USA und der Nordallianz wird immer häufiger eine Frage gestellt: Warum läuft die humanitäre Hilfe nicht sofort wieder an? "Weil es noch zu unsicher ist", sagt ein Mitarbeiter des Flüchtlingswerkes der Vereinten Nationen (UNHCR). Die Hilfsorganisationen müssen noch um die Sicherheit ihrer Mitarbeiter fürchten. In den letzten Tagen haben sich die Fahrer mancher UN-Hilfskonvois aus Angst geweigert zu fahren.

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Weil es eilt, ist neben dem Stellvertreter von UN-Generalsekretär Kofi Annan, Francesc Vendrell, auch der Sondergesandte des UNHCR, Filippe Grandi, nach Kabul gereist. Ihr Job: Sie müssen sondieren, welche Führer der Nordallianz mit ihnen zusammenarbeiten. Auch das ist unsicher. Einige Generäle haben bereits getönt, man brauche jetzt keine internationale Hilfe mehr. Die USA haben das nur ungern gehört, schließlich macht sich Washington ernsthafte Sorgen, dass die Situation außer Kontrolle gerät. Das wäre nicht nur schlecht für die militärischen Aktionen, sondern auch für die humanitäre Hilfe.

Das weiß auch die Hilfsorganisation Oxfam International, die zusammen mit anderen 3000 Flüchtlinge in einem Lager an der Grenze zu Afghanistan versorgt, in der Nähe der pakistanischen Stadt Quetta. Immerhin 3000: "Aber auf der anderen Seite der Grenze sind Zehntausende von Flüchtlingen", berichtet Oxfam-Sprecher James Nichols aus Quetta dem Tagesspiegel. Die Grenze ist offiziell noch geschlossen, die Flüchtlinge müssen in Afghanistan bleiben. "Wir können da derzeit keine Leute reinschicken", sagt Nichols. Denn auf der anderen Seite der Grenze liegt die Region um Kandahar, wo es noch immer heftige Kämpfe gibt. Ein Flüchtlingslager direkt hinter der Grenze wird noch von den Taliban kontrolliert.

In Quetta seien die Lastwagen mit Hilfsgütern schon fertig beladen, berichtet Nichols. Auch in Peschawar ist schon alles vorbereitet für einen humanitären Einsatz. Doch die Sicherheit der Helfer und der Hilfstransporte ist derzeit nicht gewährleistet. "Die UN müssen nach Afghanistan kommen, bevor wir da reingehen", sagt er.

Mehr als 200 000 Menschen hat Oxfam nach eigenen Angaben in den vergangenen Wintern in Afghanistan unterstützt. Aber sonst setzte die Hilfe schon viel früher ein. "Wir sind im Zeitplan weit zurück." Und selbst wenn die Helfer wieder die Grenze nach Afghanistan überqueren, finden sie dort eine vielfach zerstörte Infrastruktur vor. Das macht den Kampf gegen die Zeit noch schwieriger.

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