Kultur : Krieger mit Kehle

ISABEL HERZFELD

Wie sie da so stehen, zehn ernsthafte Herren in silberbetreßten Waffenröcken, den ^Säbel umgegürtet, mit kriegerischen Schaftstiefeln, und für ihr deutsches Publikum "In einem kühlen Grunde" intonieren, das greift schon irgendwie ans Herz.Für die "Gastfreundschaft", die sich im warmen Applaus ausdrückt, bedanken sie sich in gebrochenem Deutsch.Wie kleinlich erscheint in diesem Moment das gegenwärtig so in Mode gekommene Einklagen korrekter Grammatik oder gar das Krakelen um das Erlernen der Sprache des ausländischen Nachbarn ...

Die "Georgischen Stimmen", dieser seit gut zehn Jahren durch die Welt tourende a-cappella-Männerchor aus Tbilissi, lassen dem Zuhörer gar keine andere Wahl, als begeistert zu sein.Volkslieder in unverfälschten regionalen Farben, rituelle Gesänge und mittelalterliche Kirchenlieder.Die überwältigende Stimmkraft des Vorsängers bringt schon im ersten Tischlied "Schemodsachili" den Hof des Podewil schier zum Bersten, gefolgt von lebhaften, vielfältig wechselnden Rhythmen des Chores.Aus voller Kehle und Seele erklingen vor allem Schilderungen der Kämpfe zwischen Georgiern und Türken, das Lied der Feldarbeiter oder Echorufe im Gebirge.Hier fasziniert das spontane Dialogspiel einzelner Gruppen - stets werden die alten Lieder neu improvisiert -, freche, im Glissando abgebrochene Zurufe, das Sich-Überbieten in immer schnelleren Bewegungen.

Das überlagert sich manchmal so chaotisch-dissonant, fällt so sehr aus der gewohnten Harmonik und Melodik heraus, daß es frappierend "modern" wirkt.Die Tenöre geben hier das scharfe oder sämig-süße Aroma, speziell noch gewürzt von der traditionellen georgischen Singtechnik "Krimanchouli", eine Art vielfach überdrehtes Jodeln.Die Reinheit der Stimmen besticht in entrückten, harmonisch gesetzten Chorälen und zum Schluß in zarten Romanzen zur Gitarre, in denen die Krieger nur noch piano-pianissimo schmachten.

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