Kultur : Kriegslogik

Abbas Beydoun schreibt aus Beirut

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Abbas Beydoun schreibt im Wechsel mit Moshe Zimmermann, Tel Aviv Die Mehrheit der Libanesen heißt die Aktionen der Hisbollah keineswegs gut. Gleichzeitig kann niemand hier im Libanon verstehen, wieso die Zerstörung der Häfen, Flughäfen, Brücken und Wohngebäude im Krieg gegen die Hisbollah irgendetwas nützen soll. Eher hilft sie bei der Zerstörung der wirtschaftlichen und sozialen Infrastruktur des Friedens.

Der Anblick der Beiruter Vororte und ihre Ähnlichkeit mit Hiroshima bestätigt die Logik des Krieges und verhindert jede andere Logik. Die israelische Armee behauptet zwar, Gruppen zu verfolgen, die wie Hamas und Hisbollah außerhalb des Gesetzes stehen. Doch tatsächlich greift sie auf exakt dieselben Methoden wie jene Gruppen zurück – nur in noch viel größerem Umfang: Mordanschläge, Entführungen, blindwütige Massentötungen.

Ich frage ohne jeden Hintergedanken, warum die israelische Armee eine so ungewöhnlich große Zahl von Kindern tötet. Die Antwort lautet natürlich, dass sie Häuser und Wohnungen beschießt, ohne sich darum zu kümmern, wer sich gerade darin befindet. Schon mehrfach sind auf diese Weise komplette Familien ausgelöscht worden.

Ich kann nicht glauben, dass der Staat Israel nicht begreift, warum die libanesische Regierung kaum in der Lage ist, die Hisbollah zu entwaffnen. Denn diese Organisation ist stark – und es besteht die Gefahr eines Bürgerkriegs. Trotzdem nimmt Israel die Lage im Libanon als Begründung dafür, das Land an den Rand des Bankrotts zu treiben. Für die USA hat Israel wohl mehr Verständnis: dafür dass Amerika nicht in der Lage ist, eine Gruppierung wie die von al Sarkawi zu vernichten, obwohl diese eine nicht annähernd so starke militärische und soziale Basis wie die Hisbollah besitzt.

Israel möchte nicht verstehen, dass eine Politik im Sinne des Friedens auch einen israelischen Dialogpartner erfordert. Denn Israel tut in Palästina und im Libanon nichts anderes, als eben diese Dialogpartner zu töten. Vielleicht meint es ja auch, es gebe diese gar nicht.

Israel möchte der Stärkere und Überlegene bleiben, es möchte abschrecken können. Mit einer derart großen Feuerkraft auf zivile Wohnhäuser zu schießen, ist jedoch eine wohlfeile Darstellung eben dieser Überlegenheit. Warum denken wir dennoch, dass dies nicht die Überzeugung von Mr. Durchschnitts-Israeli ist? Warum glauben wir an das Gute und an ausgleichende Kräfte in den Völkern dieser Region, die wohl alle an Paranoia leiden? Und warum glauben wir nicht, dass Mr. Durchschnitts-Israeli die Zerstörung und das Blutvergießen begrüßt und dass er eine unvergessliche Legende auf den bisher getöteten 600 Zivilisten aufbaut?

Nun gibt es den jüngsten Beschluss, die Luftangriffe auszuweiten. Ich frage mich, was dann vom Süden des Libanons übrig bleiben wird.

Der Autor, Jg. 1945, ist der bekannteste Schriftsteller des Libanon und Feuilleton- Chef der Zeitung „As-Safir“. – Aus dem Arabischen von Achmed Khammas.

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