Kultur : Kritik an deutschen Museumschefs wegen Ai Weiwei

Nach der Verhaftung und Verschleppung des regimekritischen Künstlers Ai Weiwei am 3. April hat sich Bernd Scherer, Chef des Berliner Hauses der Kulturen der Welt, für klare Worte gegenüber Chinas Machthabern ausgesprochen. Die am 1. April in Peking eröffnete deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ könne man belassen, „wenn sie als eine Art exterritoriales Dialogforum genutzt wird und Dissidenten eine Bühne bietet“. Das Haus der Kunst in München wiederum hat die Zurückhaltung deutscher Museumsdirektoren scharf kritisiert. Hauptkurator Ulrich Wilmes warf dem Direktor der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden „Bagatellisierung“ vor und nannte dessen Äußerungen „menschenverachtend“.

Martin Roth, dessen Haus die Pekinger Ausstellung federführend ausrichtet, hatte der „Zeit“ gesagt, Ai Weiwei sei bei den hiesigen Medien „nicht zuletzt deshalb so beliebt, weil er ständig draufhaut“. Natürlich sei es furchtbar, dass er verhaftet wurde. Aber „es gibt Hunderte Künstler wie ihn, über die spricht aber keiner, weil sie keine Popstars sind“. Alle an der Ausstellung Beteiligten sollten deutliche Worte zu der Verhaftung finden, forderte Wilmes. Auch der Generaldirektor der Bayerischen Staatsgemäldesammlungen, Klaus Schrenk, habe viel zu zögerlich auf die Festnahme reagiert. „Von solchen relativierenden Äußerungen möchten wir uns als Haus der Kunst deutlich distanzieren“, betonte Wilmes. Das Museum hatte Ai Weiwei 2009 eine Ausstellung ausgerichtet und versucht, den Kontakt über Freunde und Vertraute zu halten. Es gebe keine Nachrichten, die zur Hoffnung Anlass geben, so Wilmes. Chinas Behörden werfen dem Künstler „Wirtschaftsverbrechen“ vor. dpa/Tsp

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