Kultur : Kritik & Reaktion: Weltweite Proteste für Ai Weiwei

Mit der weltweiten Aktion „1001 Stühle für Ai Weiwei“ wollen sich Künstler an diesem Sonntag für die sofortige Freilassung des seit dem 3. April verschleppten chinesischen Künstlers Ai Weiwei einsetzen. Frei nach dessen Documenta-Beitrag „Fairytale“ wird auf Facebook dazu aufgerufen, in zahlreichen Städten – Berlin, München, London, Paris oder New York – um 13 Uhr Ortszeit Stühle vor chinesischen Botschaften und Konsulaten aufzustellen. 2007 hatte Ai Weiwei 1001 Chinesen zur Kasseler Documenta mitgebracht.

Trotz internationaler Appelle – auch Angela Merkel hat sich laut „Spiegel“ in einem Schreiben an Chinas Führung für Ai Weiweis Freilassung eingesetzt – verschwanden in jüngster Zeit Dutzende weitere Bürgerrechtler hinter Gittern. Jüngstes Opfer ist die Aktivisten Ni Yulan, die seit einer früheren Haft im Rollstuhl sitzt. Gegen sie wurde am 7. April Haftbefehl wegen „Unruhestiftung“ erlassen; ihr drohen bis zu fünf Jahre Gefängnis. Die 49Jährige gehört zu 38 Aktivisten, die nach Aufrufen zu „Jasmin-Protesten“ in Haft genommen wurden. Laut der Hongkonger Menschenrechtsgruppe Chinese Human Rights Defenders sind 16 Personen verschwunden, darunter die Bürgerrechtsanwälte Teng Biao und Jiang Tianyong und die Künstler Huang Xiang, Zhui Hun und Cheng Li, die eine „Jasmin“-Ausstellung organisiert hatten.

Im Streit um die deutsche Ausstellung „Kunst der Aufklärung“ in Peking hat sich Martin Roth, Chef der federführenden Dresdner Kunstsammlungen, für einen Verbleib der Schau ausgesprochen. Ein Abzug der Exponate wäre die „Ultima Ratio“, man bestrafe damit nur die Chinesen, die so für eine grausame Fehlleistung ihrer Regierung zahlten. Laut Roth sagt die momentane Besucherflaute nichts über die Erfolgsaussichten aus. Offenkundig seien die chinesischen Museumsleute vorsichtig geworden und würden für die Schau nicht so werben wie anfangs geplant. Roth sieht sich zu Unrecht an den Pranger gestellt. Eine Äußerung zu Ai Weiwei sei verkürzt wiedergegeben worden. Er habe dessen Verhaftung nicht herunterspielen wollen und trete klar für die Freilassung des Künstlers ein. dpa/dapd

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