Kultur : Kröten geschluckt (Kommentar)

Kai Müller

Sie müssten ihm dankbar sein, wird er gesagt haben. Millionen haben sie durch ihn schon verdient. Filme, für die sich kein Mensch interessiert hätte, seien erst durch ihn zum Top-Erfolg geworden. "Also", könnteJohn Travolta sagen: "Ihr seid es mir schuldig! Macht diesen verdammten Film!"

Manche Superstars in Hollywood sind mächtiger als Produzenten. Anders jedenfalls ist kaum zu erklären, warum die Warner Studios einen Film wie "Battlefield Earth" produzieren konnten, der auf einen Roman des Scientology-Gründers L. Ron Hubbard zurückgeht - und den die "New York Times" schon jetzt als "schlechtesten Film des Jahrhunderts" bezeichnet.

Es war ein Herzenswunsch John Travoltas, diesen Film zu machen. Seine Mitgliedschaft in der Sekte, der die Anerkennung als Religionsgemeinschaft in Deutschland nach wie vor verweigert wird, ist kein Geheimnis. In der straffen Organisation bekleidet er den Rang eines Thetan, eines spirituellen Führers, der Scientology zufolge sämtliche negativen Einflüsse aus seinem Leben verbannt hat. Die Verfilmung des von Hubbard geschriebenen Bestseller-Stoffs lag Travolta wohl auch deshalb am Herzen, weil er seinem Meister so posthum für derlei seelische Unterstützung danken konnte. Immerhin hat sie dem nach "Saturday Night Fever" Gestrauchelten wieder zu Ruhm verholfen.

Travolta dankt Hubbard, Warner dankt Travolta, und herausgekommen ist ein Film, den offenbar niemand sehen will. So ist das manchmal mit der Dankbarkeit: Man will sich allseits Gutes tun, doch einen gibt es immer, der die Botschaft nicht versteht. In diesem Fall ist es das Publikum, dasder Dankbarkeitsbezeugung in den amerikanischen Kinos einfach fern bleibt. Auch die Handlung des schwülstigen Science-Fiction-Epos scheint einem von missionarischem Eifer trunkenen Kopf entsprungen: Die Erde ist im Jahr 3000 ein Sklavenstaat, beherrscht von außerirdischen "Psychlos", die sich die Menschen als Arbeitstiere halten. Doch einem gelingt es, einen Aufstand anzuzetteln und das Sklavenjoch abzuschütteln. Wer die scientologische Heilslehre kennt, wird Anspielungen nicht übersehen können. Hubbards Verachtung galt der modernen Psychatrie, deren Vertreter hier als "Psychlos" die Knechtschaft des Menschen verewigen.

An dem 73 Millionen Dollar teuren Filmprojekt ist die deutsche Firma "Intertainment" mit einem knappen Drittel beteiligt. Angenehm ist das dem Münchner Unternehmen, das am Neuen Markt notiert, nicht mehr - aber da man vergangenes Jahr eine auf fünf Jahre angesetzte Partnerschaft mit Time Warner eingegangen ist, blieb offenbar keine Wahl. Ein klassisches Krötenschluckgeschäft: Im Rahmen eines 60 Filme umfassenden Pakets, zu dem unter anderem "Keine halben Sachen" mit Bruce Willis oder "The Pledge" mit Jack Nicholson gehören, hat man auch "Battlefield Earth" finanziert - mit einer Beteiligung allerdings, die im Gegensatz zu den USA (40 Millionen Dollar Werbe-Budget) "so gering wie möglich ausgefallen" sei. Die Verluste sollen, heißt es, minimal sein, schließlich habe man die Fernsehrechte längst verkauft.

Travolta hat sich als Koproduzent auch finanziell mächtig ins Zeug gelegt. Für die Zukunft braucht er nun zwei Dinge: Geld und wieder einen Erfolg. Warner wird auch das schon richten. Aber das nächste Mal nicht mehr aus purer Dankbarkeit.

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