Kultur : Kroetzkasperl

Grasers „Servus Kabul“ in München uraufgeführt

Mirko Weber

Der Heidelberger Autor Jörg Graser (Jahrgang 1951) ist ein rechtschaffener Mann. Er war an guten Filmen beteiligt („Der Mond ist nur a nackerte Kugel“), hat an ganz guten Serien mitgearbeitet („Via Mala“) und früher einigermaßen gute Stücke geschrieben („Witwenverbrennung“). Unlängst hat er ein neues vorgelegt („Servus Kabul“) – ganz und gar nicht gut. „Servus Kabul“ hat dann am Münchner Residenztheater auf einen Uraufführer gewartet. Der Schauspieler, Dramatiker und Regisseur Franz Xaver Kroetz griff zu: Er hat gerade nichts Besseres vor.

Kroetz hatte Deutschland lange den Rücken gekehrt, was die deutschen Theater ausgenutzt haben: Mittlerweile kann ihnen Kroetz denselben hinunterrutschen. Nur in München, am Resi, darf Kroetz sich demnächst noch einmal selbst inszenieren. Vorher aber inszeniert er Graser, und selbstverständlich inszeniert Kroetz Graser, wie er Kroetz inszeniert hätte: auf Krawall gebürstet. Graser hat das geahnt und sich vorsichtshalber vorab distanziert. Gespielt wird „eine Fassung des Regisseurs“, die freilich nicht unmäßig vom schütteren Original abweicht.

Es passiert dann aber im Münchner Haus der Kunst und in einer monströsen, roten Kasperltheaterkiste kaum etwas. In Grasers Stück nämlich findet sich nicht, was sich selbst in den schlechteren der vielen Kroetz-Stücke noch findet: Widerstand. Grasers „Servus Kabul“ ist eine sauschlechte Satireübung, die davon handelt, wie die lebens- und liebesgebeutelte Straubinger Wirtstochter Fanny Brodler sich endlich einen Mann anschaffen will, der nun ein (angeblich) steinreicher Muslim namens Mummadir ist und keinen Schweinsbraten isst. Irgendwie aber kommt auch Vater Brodler, der sich wieder einen kleinen Hitler herbeiträumt, auf den Geschmack an fremden Welten, emigriert und besorgt sich in Kabul drei Afghaninnen, die er dann aber in Straubing wieder loswerden will. Am Ende frisst Herr Mummadir, der ein Betrüger gewesen ist und nur Stuckateur von Haus aus, zwangsweise eine Schweinshaxe, während zuerst das Deutschlandlied und dann noch der Bayerische Defiliermarsch abgespielt werden.

Schon anfangs kroetzkasperlt das alles nur auf niedrigstem Niveau vor sich hin, um dann nach anderthalb Stunden krähend zu kollabieren: vor (und in) sich selbst. Das ganze Haus der Kunst stinkt nach verkochtem Kraut. Mindestens zwanzigmal wird ein Vorhang mit der Stadtansicht von Straubing gezogen: Bereits nach fünfzehn Minuten wünscht man inständig, dieser da möge der letzte gewesen sein. Umsonst!

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