Kultur : Krümel statt Kekse

Erster Auftritt in Sachen Film: Kulturstaatsminister Bernd Neumann beim CSU-Filmgespräch

Rüdiger Suchsland

„Film ist nicht nur Kulturgut, er ist auch Wirtschaftsgut.“ Früher, in der Opposition, hätte Bernd Neumann diesen Satz umgedreht. Aber das Amt eines Kulturstaatsministers ist etwas anderes als das eines filmpolitischen Sprechers, und in der Politik, wie Neumann sie versteht, zählen nicht große Formeln, sondern kleine Akzentverschiebungen.

Es war die erste öffentliche Rede des neuen Staatsministers zum Thema Film, und als Ort war das traditionelle CSU-Filmgespräch in München, alljährlich am Tag nach der Vergabe der Bayerischen Filmpreise, keine schlechte Wahl. Wenn es nach Bayern ginge, gäbe es Neumanns Amt vielleicht gar nicht. Denn in Stoibers Staatskanzlei wittert man allein mit dessen Existenz immer noch gern eine Einschränkung der sorgsam gepflegten Kulturhoheit der Länder. Wer hier „Bundesländer“ statt Länder sagt, wird gern darauf hingewiesen, dass es einst die Länder waren, die den Bund gründeten, und nicht umgekehrt. Nirgendwo tritt Standortpolitik so selbstbewusst auf wie in München.

Insofern wagte sich Neumann auf unsicheres Terrain. Inhaltlich blieb seine Rede allerdings weitgehend vage. Mit ein paar Sticheleien gegen seine Vorgängerin, die „alle möglichen Zusagen“ gemacht habe, aber „über die Tür des Finanzministers nicht hinausgekommen“ sei, wurde das Publikum warm gemacht, danach gab es höchst allgemeine Kommentare zur Lage des deutschen Films („der Marktanteil ist zu stabilisieren“), zur Deutschen Filmakademie („eine gute Entwicklung“) und zum rückläufigen Kinobesuch.

Neumann, der in der Euphorie der Beförderung seine Vorgänger als „schöngeistige Seiteneinsteiger“ verspottet hatte, gab in München ganz den Politprofi, der im Gegensatz zu den Schöngeistern nicht nur Ideen hat, sondern auch weiß, wie man sie in politische Taten verwandelt. So richtig deutlich wollte er allerdings nicht werden, immer wieder rutschte die Rhetorik in die typische Politikerfloskel „Ich werde Gespräche suchen, mit dem Ziel: Was können wir gemeinsam tun?“

Ergiebiger war die Podiumsdiskussion mit Regisseur Helmut Dietl, der sich über die „fast schon arabische Qualität der Zerstrittenheit der deutschen Filmbranche“ mokierte: „Warum gibt es bei uns keinen ,Deutschlandeffekt’?“ fragte Dietl in Anspielung auf die „Ländereffekte“ der Filmförderungen der Länder, und plädierte für einen Filmfonds, der nur Projekte in Deutschland fördert. Da rannte er bei Neumann offene Türen ein – eine nationale Filmförderung, wie sie in nahezu allen europäischen Ländern üblich ist, scheitert hier an der Kulturhoheit der Länder.

Immerhin: Am Ende bekam der Kulturstaatsminister Gelegenheit zu dem schönen Satz „Film ist etwas anderes als Bahlsen-Keks“ und der Bemerkung, man müsse sich „bei dem vielen Geld, das wir in die Theater stecken“, doch „wegen ein paar Millionen für den Film nicht so anstellen“.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben