Kultur : Kubanische Nächte

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Christiane Peitz wundert

sich über Steven Spielberg

Bis halb drei Uhr morgens haben sie zusammen gesessen. Acht Stunden am Stück. Wann haben Sie zuletzt mit jemandem die halbe Nacht lang geplaudert, und zwar rein beruflich? Steven Spielberg tat dies gerade – mit Fidel Castro. Hollywoods Lieblingsregisseur und der Erzkommunist? Gut, Bushs Regierung hat dem OscarPreisträger diese Begegnung ausdrücklich gestattet. Aber Spielberg kann dennoch von Glück reden, dass die McCarthy-Ära irgendwie doch vorbei ist. Über Geschichte sollen sie geredet haben, über Politik, Kultur und die Umwelt. Acht Stunden lang solch öde Themen? Bei Castro scheint Politik ziemlich sexy zu sein. Zumindest hat er seinem Stargast wohl die Hucke vollgequasselt; man kennt das schon von früheren Castro-Besuchern wie Kevin Costner oder den Zigarrenliebhabern Jack Nicholson und Arnold Schwarzenegger. Kritisch betreten sie kubanischen Boden, jubelnd verlassen sie die Gemächer des Revolutionsführers wieder.

Steven Spielberg übertrifft sie alle. Nicht nur, dass Kubas staatliche Nachrichtenagentur von der „perfekten Chemie“ zwischen den beiden orakelt. Nein, der Gringo schimpft jetzt öffentlich über das Handelsembargo. Fordert gar dessen Aufhebung – und das kurz nach dem 40. Jahrestag der Kubakrise! Und dann sagt er auch noch, er bewundere das Land und dessen Filme seit Jahren. Was hat Castro ihm geflüstert? Was gab es zu trinken? Und aus welchem Kraut waren die Havannas?

Es kommt noch schöner. Wenige Stunden nach der halb durchzechten Nacht spricht der amerikanische Ehrengast vor Studenten der dortigen Filmschule. Und sagt, im Beisein seiner Gattin: Die Nacht mit Fidel, „das waren die wichtigsten acht Stunden meines Lebens“. In den Kinos von Havanna laufen in dieser Woche Spielbergs wichtigste Filme. Nur einer fehlt: die „Unheimliche Begegnung der dritten Art“.

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