Kultur : Kühle Kulthöhle - Die Wiedereröffnung ist für September 2000 geplant

Nicola Kuhn

Kreissägen kreischen, Bauarbeiter mit gelben Plastikhelmen bestimmen das Bild. Noch ist kaum vorstellbar, dass hier im Oktober 2000 ein Schatzkästlein eingerichtet, ja geradezu eine Weihestätte der Kunst vollendet sein soll. Beim gestrigen Baustellen-Besichtigungstermin gaben sich die drei Verantwortlichen - Generaldirektor Peter-Klaus Schuster, Hausherrin Marianne Yaldiz und Architekt Helge Sypereck - dennoch zuversichtlich, dass nach zweieinhalb Jahren Schließung das Museum für Indische Kunst zum anvisierten Termin vollendet dastehen wird. Das einzige Indo-Asiatische Kunstmuseum Deutschlands, wenn nicht Europas soll sich nach dem 34 Millionen Mark teuren Umbau strahlender denn je präsentieren.

Nach knapp dreißig Jahren im schlichten Kubus von Fritz Bornemann war eine Sanierung der Museumsarchitektur, eine Erneuerung sämtlicher Installationen notwendig geworden. Dies ermöglichte zugleich eine Neueinrichtung der gesamten Sammlung, wie sie gegenwärtig auch das im gleichen Komplex untergebrachte Museum für Ostasiatische Kunst erlebt, das im September 2000 wiedereröffnet werden soll. Während dieses Museum seine neue Struktur aus der Anlage eines japanischen Wohnhauses entwickelt, leitet sich die Ausstellungsarchitektur des Museums für Indische Kunst aus dem quadratischen Grundriss des Tempels und der runden Form des Begräbnishügels ab. Wo der Besucher einst auf labyrinthischen Wegen von einem effektvoll angeleuchteten Kunstobjekt zum nächsten geleitet wurde, wird er in Zukunft einen offenen Ausstellungsraum erleben. In dessen Mitte befindet sich eine in ihren Orginalmaßen rekonstruierte buddhistische Kulthöhle, die den größten Schatz des Museums birgt, die von der Nördlichen Seidenstraße stammenden Turfan-Wandmalereien.

Insgesamt werden in dem rund 2200 Quadratmeter großen Schauraum 500 Objekte der über 20 000 Stücke zählenden Sammlung zu sehen sein. Wegen der luftigeren Präsentation muss die Zahl der Ausstellungsstücke allerdings um rund ein Sechstel reduziert werden. Der gewöhnliche Ausstellungsbesucher mag diesen Verlust verschmerzen, denn laut vollmundigen Ankündigungen wird er sich hier künftig dank des Bodenbelags aus indischem Grauquarzit und der hell gestrichenen Wände an heilige indische Stätten erinnert fühlen, an denen den Kunstwerken von der gleißenden Sonne einst Leben eingehaucht wurde. Dazu wird man allerdings nicht nur heute, sondern wohl auch noch in einem Jahr nach vollendetem Umbau beim Eintritt in den auch künftig fensterlosen, bunkerartigen Bau viel Phantasie benötigen.

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