Kultur : Kühne, kühle Übernahme

Eine

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von Jens Hinrichsen

Eins plus eins gleich eins. Mit einem Schlag verschwinden zwei Berliner Museen. Und kaum jemand hat von den Fusionsplänen gewusst, die von der Stiftung Preußischer Kulturbesitz nun in die Tat umgesetzt worden sind: Aus dem „Museum für Ostasiatische Kunst“ und dem „Museum für Indische Kunst“ wird der Klon „Museum für Asiatische Kunst“. Eine Sturzgeburt? Wohl kaum. Aber die Zusammenführung zweier Sammlungen birgt Risiken – für die Vielfalt der Berliner Museen. Und für die Hauptstadtkultur insgesamt.

Zugegeben: Nicht viele Hähne krähen nach den „beiden kleinsten der sechzehn staatlichen Museen zu Berlin" (Pressemitteilung der SPK). Nur: Misst sich die Größe eines Museums bloß an Besucherzahlen? An den Schauraum-Quadratmetern? Dass Indien und Ostasien museal etwas ab vom Schuss liegen, nämlich im Dahlemer Museumskomplex, eignet sich kaum als Argument, die zwei Häuser – pardon: Säulen des „Asiatischen Museums“ – weiter kleinzusparen. Die Stiftung begründet ihre angeblich vom Sparzwang diktierte Radikallösung mit der Chance auf Bündelung der Ressourcen für das geplante Humboldt-Forum am Schlossplatz. Und wer weiß: In Berlins historischer Mitte steht womöglich eine weitere Fusion mit dem Ethnologischen Museum ins Haus.

Auch personalpolitisch ist die Angelegenheit, nun ja, ein kühner Coup. Man stelle sich den Aufschrei vor, wenn Kirsten Harms nach Peter Mussbachs Pensionierung die Lindenoper mal eben mit übernähme. Die Leitung des neuen Hauses erweitert die Kompetenzen des Direktors der Ostasien-Sammlung, Willibald Veit, während die Museumsleiterin Marianne Yaldiz Ende November offiziell in den Ruhestand gegangen ist. Generaldirektor Peter-Klaus Schuster und das Stiftungsgremium haben nur Tage verstreichen lassen, vollendete Tatsachen zu schaffen. Das schmerzt die renommierte Indologin. Stiftungsdirektor Klaus-Dieter Lehmann, sagt sie gegenüber dem Tagesspiegel, habe ihr stets versichert, dass die Museen eigenständig bleiben.

Doch es geht um mehr als persönliche Verletzungen. Das weltweit einzige Spezialmuseum für Indische Kunst außerhalb Indiens ist nominell von der Museumslandkarte verschwunden. Und die Kultur des Subkontinents, mit wichtigen Konvoluten aus Nepal und Tibet, lässt sich kaum zusammendenken mit den Porzellanen, Lackmöbeln und Tuschezeichnungen aus Japan und China.

Noch hat man derlei allerdings nicht vor. Süd- und Ostasien sollen hübsch getrennt bleiben. Das eigentliche Problem könnte in der administrativen Unwucht liegen, die durch den Ostasien-Experten Veit gegeben ist. Zumal er mit den Beutekunst-Verhandlungen mit Russland aus den Beständen seines Hauses ausgelastet sein dürfte. Da ist es wenig tröstlich zu wissen, dass bereits Otto Kümmel, Gründungsdirektor des „Ostasiatischen Museums", 1922 die Vereinigung seiner Sammlung mit der südasiatischen im Kunstgewerbemuseum (dem heutigen Gropiusbau) vorgeschlagen hatte.

Die Gesamtverantwortung für das „Museum für Asiatische Kunst" trägt nun Willibald Veit. Dieser Tage ist er in Tokio. Und Delhi? Kommt bestimmt eines Tages auch mal dran.

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