Künstler frei erfunden : Kunst-Bluff blamiert tschechischen EU-Vorsitz

Ein Künstler hat die tschechische Regierung mit Arbeiten angeblicher Kollegen aufs Glatteis geführt. Für deren EU-Vorsitz hatte er ein ''Gemeinschaftswerk'' von 27 Künstlern erstellt. Die waren jedoch frei erfunden.

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Blamiert. Auf diesen Kunst-Bluff fiel die tschechische Regierung herein . -Foto: dpa

BrüsselEin Kunstwerk über die Vorurteile in Europa ist zu einer Riesen-Blamage für den tschechischen EU-Vorsitz geworden. Kurz vor der geplanten Einweihung der Installation am Donnerstag ließ der tschechische Künstler David Cerny den Bluff auffliegen: Das von der Prager Regierung in Auftrag gegebene Werk sei allein von ihm entworfen und nicht von 27 Künstlern aus ganz Europa, wie ursprünglich angegeben.

Das rund zehn mal zehn Meter große Werk namens "Entropa" hängt seit Montag im Eingangssaal des Brüsseler EU-Ratsgebäudes und nimmt Vorurteile über die 27 Mitgliedstaaten aufs Korn. Der angebliche deutsche Beitrag ist eine Deutschlandkarte, durchzogen von Autobahnen, die einem Hakenkreuz ähneln. Laut Katalog stammte das Werk von dem Künstler Helmut Bauer. Dieser ist aber nach Cernys Angaben genauso fiktiv wie die 25 anderen Schöpfer.

Wenig schmeichelhafte Darstellungen

Bulgarien hatte am Dienstag bereits offiziell Protest gegen die Darstellung des Landes als Steh-Toilette eingelegt. Auch andere Länder kommen wenig schmeichelhaft weg: Über dem Umriss Frankreichs hängt ein Banner mit der Aufschrift "Streik", Schweden ist in einen IKEA-Karton verpackt. Spanien ist komplett zubetoniert, eine Anspielung auf die Bauwut des Landes.

Die tschechische Ratspräsidentschaft hatte das Werk am Montag als "Projekt von Künstlern aus allen 27 EU-Staaten" angekündigt und einen Katalog mit deren Biographien verbreitet. Europaminister Alexandr Vondra äußerte sich nun "schockiert" über den Schwindel des tschechischen Urhebers. Der als Provokateur bekannte Künstler Cerny nimmt die Aufregung gelassen: "Uns interessierte, ob Europa über sich selbst lachen kann", sagte er in Prag. (jnb/AFP)

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