Kultur : Künstler, Preuße und Brandenburger

Karl Friedrich Schinkel steht im Mittelpunkt des Themenjahres zur Baukultur

Helmut Caspar

Sein Aufstieg an die Spitze der preußischen Bauverwaltung war kometenhaft, sein Gesamtwerk enorm, und die Zeugnisse seiner Arbeit sind bis heute erhalten: Die Rede ist von Preußens oberstem Baumeister Karl Friedrich Schinkel, der am 13. März 1781 in Neuruppin als Sohn eines Geistlichen geboren wurde, aber in Berlin aufwuchs.

Der bevorstehende 225. Geburtstag Schinkels ist Anlass für den Verein „Kulturland Brandenburg“, die Architektur und die Baukultur des Bundeslandes in den Mittelpunkt ihres diesjährigen Themenjahres zu stellen. Präsentiert werden wieder viele Projekte und Veranstaltungen, bei denen Bewohner und Besucher gleichermaßen das kulturelle Erbe und die kulturelle Vielfalt Brandenburgs neu entdecken können.

So wird unter dem Motto „Horizonte. Kulturland Brandenburg 2006 – Baukultur“ anhand von zahlreichen Führungen, Vorträgen und Ausstellungen der reiche Bestand von historischen Bauten vorgestellt, von denen einige nur deshalb entstanden sind, weil Schinkel sich ihrer annahm. Besucher und Teilnehmer von Diskussionsforen erfahren, wie sich die Baukultur Brandenburgs von Schinkel ausgehend bis in die Moderne entwickelt hat, wobei auch das teilweise in seinem Wert verkannte bauliche Erbe aus DDR-Zeiten betrachtet wird. „Ziel der Kampagne ist es, die breite Öffentlichkeit mit den landesspezifischen Verhältnissen und Besonderheiten der regionalen Architekturszene bekannt zu machen. Dies gilt sowohl für die Baugeschichte des Landes, als auch für die wenig beachtete Gegenwartsarchitektur“, sagt Florian Trott vom Verein Kulturland Brandenburg mit Sitz in Potsdam.

Die zentrale Ausstellung ist Schinkel gewidmet. Sie ist vom 19. Mai bis 8. Oktober 2006 im Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte in Potsdam zu sehen. Die Schau möchte umfassend über Schinkel als „Künstler, Preuße und Brandenburger“ informieren. Zu sehen sind Exponate, die dokumentieren, welchen Einfluss Schinkel auf die Baukultur seiner Zeit und die Nachwelt genommen hat. Außerdem besteht die Möglichkeit, einen Einblick über Schinkels 30-jährige Tätigkeit an der Spitze der preußischen Bauverwaltung zu erhalten. Denn während dieser Zeit hat er nicht nur das Baugeschehen nachhaltig geprägt, sondern sich auch als Denkmalpfleger, Maler und Raumausstatter, als Bühnenbildner, Kunstphilosoph und Architekturtheoretiker betätigt.

Selbstverständlich gedenkt auch Neuruppin und die ortsansässige Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft des Baumeisters. Am 13. März findet dort eine zentrale Ehrung durch die Länder Brandenburg und Berlin statt. Im Stadtmuseum wird unter anderem an die tragische Geschichte der Familie Schinkel erinnert. Denn der Vater, seines Zeichens Superintendent, starb nach dem verheerenden Stadtbrand von 1787 an den Folgen seines körperlichen Einsatzes beim Löschen. Seinem Tod folgte der gesellschaftliche Absturz der Familie und sie musste ins Predigerwitwenhaus an der Fischbänkestraße ziehen. Dort ist heute die Schinkel-Gesellschaft untergebracht.

Auch die Arbeitsgemeinschaft „Städte mit historischen Stadtkernen“ beteiligt sich an dem Themenjahr. Vorgestellt werden in den Orten vor allem Gebäude, die bürgerschaftliches Selbstbewusstsein demonstrieren und zeigen, wie die Bewohner als Bauherren das Bild ihrer Städte beeinflusst haben. Neben zahlreichen anderen landesweiten Tagungen und Ausstellungen wird es im Zentrum für „Zeithistorische Forschung Potsdam“ eine Vortragsreihe unter dem Motto „Politik in Stein. Architektur und Macht in Berlin-Brandenburg im 20. Jahrhundert“ geben, die nach dem Spannungsverhältnis von Architektur und Politik fragt.

Informationen: Das aktuelle Programm im Internet unter www.kulturland-brandenburg.de. Auskünfte: Verein Kulturland Brandenburg, Telefon: 03 31 / 58 16 11, Karl-Friedrich-Schinkel-Gesellschaft e. V., Telefon: 033 91 / 65 00 62.

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