Künstlerfilm "Exhibition" von Joanna Hogg : Wer im Glashaus sitzt

Im britischen Künstlerkrisenfilm „Exhibition“ spielen zwei Künstler zwei Künstler: Liam Gillick und die Ex-Punk-Gitarristin Viv Albertine leben im berühmten "H House".

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Bewohner des "H House" in Kensington: Liam Gillick und Viv Albertine.
Bewohner des "H House" in Kensington: Liam Gillick und Viv Albertine.Foto: Fugu-Filmverleih

Geht es um das Haus oder die beiden Künstler, die es bewohnen? Aber vielleicht ist auch die Architektur längst in das Paar eingezogen und dominiert ihr Handeln mehr, als ihnen lieb sein kann. Für den Mann jedenfalls fühlt sich die Zeit, die er in „H House“ verbracht hat, schon wie vierzig Jahre an. Dabei lebt er im Spielfilm „Exhibition“ von der britischen Regisseurin Joanna Hogg gerade einmal halb so lang im Londoner Westen. Die Frau hat sich im Gebäude geradezu verschanzt, was durchaus ironisch ist, denn das real existierende, von James Melvin 1969 erbaute Haus in Kensington ist wie ein Aquarium gebaut. Seine enormen Glasflächen erlauben Einblick von allen Seiten.

Was nicht bloß zum Filmtitel passt. Hogg hat den britischen Künstler Liam Gillick und die ehemalige Gitarristin der 70er-Jahre-Punkband Slits, Viv Albertine, gecastet. Zwei Darsteller, die wissen, wie man sich auf der Bühne bewegt. Hogg fängt die Räume mit ihren modernistischen Details ebenso in stillen, ästhetischen Bildern ein wie die Bewohner, die in dem Interieur oft skulptural wirken. Ohne Schwenks, Musik oder aufgeregte Montagen. Das eigentliche Drama spielt subtil in der Beziehung: Zwischen dem Mann, einem selbstbewussten und von seinem Intellekt bestimmten Charakter, und seiner intuitiven, als Künstlerin zaudernden Frau steht eine unsichtbare Mauer.

Joanna Hogg kennt "H House" aus der Schulzeit

Beide arbeiten isoliert in ihren Ateliers und kommunizieren bevorzugt über das Haustelefon. Wie fern sich ihre Körper sind, machen Szenen klar, in denen auf Annäherung kein Sex folgt. Die Ehe ist ein schwelendes Feuer, man weiß nicht recht, ob das Paar einfach zu sehr divergiert. Oder sich das Haus zwischen beide geschlichen hat. Die Regisseurin kennt „H House“ aus der Schulzeit. Eine Freundin machte sie mit dem Architekten und seiner Frau bekannt, die bis vor wenigen Jahren dort lebten. Wie vertraut Hogg damit ist, zeigt sich, wenn die Kamera über eine Metallwendeltreppe fährt und das kühle Material die erkalteten Gefühle spiegelt.

Alles hier hat seinen Echoraum – und manchmal wird genau das zu viel. Die Stilisierung zweier Künstler zu Künstlern, die als Filmfiguren oft schon autistisch agieren, erzeugt so viele Rückkoppelungen, dass die Handlung zwischendurch fast stillsteht. Würde Hogg nicht einen zarten Handlungsbogen spannen, der mit dem Plan des Mannes beginnt, das Haus zu verkaufen. So kommen Makler und andere Paare zur Tür herein, und die beiden Bewohner können ausloten, ob es auch ohne die Avantgarde-Architektur noch eine Zukunft hat.

In den Berliner Kinos fsk und Brotfabrikkino.

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