Künstlerwahl : Artur Zmijewski leitet die 7. Berlin Biennale

Knapp zwei Monate ist die sechste Ausgabe der internationalen Kunstausstellung vorüber, die ihren Schwerpunkt vor allem in Kreuzberg besaß, da wird auch schon der Kurator der nächsten Berlin Biennale benannt.

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Foto: Doris Spiekermann-Klaas
Foto: Doris Spiekermann-Klaas

Nach der Berlin Biennale ist vor der Berlin Biennale. Beim polnischen Videokünstler Artur Zmijewski sollen bis 2012 die Fäden zusammenlaufen für ein Festival, das seinen Ausgangspunkt bei den Kunst-Werken in der Auguststraße hat. Vor zwölf Jahren gründete Klaus Biesenbach dort die Berlin Biennale, die höchst unterschiedlich glückhaft war. Kathrin Rhombergs jüngster Wurf gehörte eher zu den blasseren Ausstellungen, obwohl ihr Akzent bei Künstlern aus Osteuropa aufmerken ließ.

Vielleicht ist das der Grund für die Wahl Artur Zmijewskis zum nächsten Kurator. 1966 in Warschau geboren, gehört er zu den profiliertesten Künstlern des Landes. 2005 bespielte er den polnischen Pavillon auf der Biennale di Venezia, zwei Jahre später präsentierte ihn Roger M. Buergel auf seiner Documenta. Im gleichen Jahr holte ihn der Daad als Stipendiat nach Berlin, wo er bereits zuvor in zahlreichen Institutionen mit seinen Fotografien und Videos zu sehen war.

Für Zmijewski ist die Stadt also kein unbekanntes Pflaster, und umgekehrt kennt man hier sein umstrittenes Werk sehr gut. Immer beschäftigt er sich in seinen semi-dokumentarischen Videos mit Menschen am Rande, mit Behinderten, Niedriglöhnern, Auschwitz-Überlebenden, die er teils zu entwürdigenden Handlungen animiert. So ließ er Gehörlose in der Leipziger Thomaskirche eine Bach-Kantate einstudieren oder bedrängte einen ehemaligen KZ-Häftling, seine verblasste Nummer auf dem Unterarm nochmals nachzutätowieren. Die Reaktionen reichten von Entsetzen bis zu Begeisterung über solche Grenzüberschreitungen, die mit den Formen der gängigen Anteilnahme brechen. An „Political Correctness“ ist der Warschauer, der Kunst als „soziale Methode“ versteht, ohnehin nicht interessiert. „Ich mache Sozialwissenschaft“, hat er einmal in einem Gespräch erklärt.

Für die siebte Berlin-Biennale 2012 verspricht das einigen Zündstoff, vor allem aber einen frischen Blick. Die gerade geschlossene Temporäre Kunsthalle auf dem Schlossplatz hatte sich in ihrem letzten Jahr aus der kuratorischen Krise gerettet, indem sie Künstler zu Ausstellungsmachern ernannte. Das Konzept ist nicht neu, allenthalben in Produktionsgalerien zu sehen. Womöglich bewog die Berufungskommission bei Zmijewskis Wahl auch die Erinnerung an die vierte Berlin Biennale 2006, die seit der Gründungsausgabe als die erfolgreichste gilt. Damals gehörte der Künstler Maurizio Cattelan zum Kuratorenteam, der sich ebenfalls mit provozierenden Werken einen Namen gemacht hatte. Unter Zmijewksi, der zur Bewegung „Krytyka Polityczna“ gehört und das gleichnamige Magazin künstlerisch leitet, dürfte es jedoch weitaus politischer zugehen.

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