Kultur : Küsschen und "Danke" am Merchandising-Stand

Frank Rothe

15 Mark kostet Guildo Horns Biografie "Danke" am Merchandising-Stand. Der Meister weiß, warum er sich bei den wenigen Fans, die ihm noch geblieben sind, bedankt. Die 300 Konzertbesucher vom vergangenen Sonntag halten zu ihm. Vielleicht haben sie nicht mitbekommen, dass der "Horn-Wahn" den Zenit am Schlagerhimmel längst durchbrochen hat und keine Steigerung mehr möglich ist. Horn hat uns alles gegeben. Purzelbäume, Nussecken und Küsschen von Mami. Der Kult ist aus. Geblieben sind die Hartgesottenen und Guildo, der gegen 20.30 Uhr auf die Bühne der Columbiahalle hechtet. Seine wenigen Haare sind nicht länger gewachsen. Aus seinen Poren fließt der Schweiß nach der ersten Minute und hundertfach haucht er Küsschen über seine Handfläche. Bei seinem zweiten Song "Weil ich so sexy bin" werden die ersten Wunderkerzen abgefackelt. Guildo Horn trennt sich von seinem gelben Jackett, klettert auf einen Boxenturm und legt sich flach auf dessen Oberfläche. Ein Rowdy stützt besorgt den Lautsprecher. Bei "Wunder gibt es immer wieder" scheint es, als würden seine Fans darauf hoffen, dass ihr Meister noch weitere 40 Jahre durchhalten würde bis zum nächsten Schlager-Revival im Jahre 2039. Guildo Horn hingegen stört es nicht, dass die Columbiahalle nur zur Hälfte gefüllt ist. Er springt von der Bühne, tätschelt die Köpfe der Fans, stellt ihnen Fragen - "Na, wie heißt du? Anna? Oh, Anna?" -, reißt sich das Shirt vom Körper küsst es, wirft es zu den Groupies in der vorderen Reihe und bekommt als Dankeschön einen Teddybär zurück. "Den werde ich trocknen, häuten und in mein Poesiealbum kleben." Guildo gibt alles. Er ist ein Meister des Entertainments. Schade nur, dass ihn nur noch so Wenige ertragen können.

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