KULINARISCHE KUNST„Social Cooking Romania“ : Ziegen zerlegen

Jens Müller

Eat Art. Kunst und Essen. Bisher kennt man das vor allem von Daniel Spoerri. Der ist in Rumänien geboren, und so kommt es vielleicht nicht von ungefähr, dass sich in den vergangenen Jahren eine ganze Reihe rumänischer Künstler mit dem Thema befasst hat. Das lässt sich derzeit in der Ausstellung „Social Cooking Romania“ feststellen. Es geht um die sozialen Implikationen des Essens. Die Mehrzahl der gezeigten Arbeiten sind Videofilme, die ein von archaischen kulinarischen Traditionen geprägtes Land zeigen. Zwischen Wohnblocks aus Beton räuchern die Leute Fleisch. Auf der Terrasse einer armseligen Hütte zerlegen zwei Männer eine Ziege. In Etefan Rusus Arbeit „Brezhnev likes Mhmhliga & Mhmhliga likes Brezhnev“ wird ein Hahn geköpft. Der Rumpf zappelt noch eine Weile, um anschließend auf dem offenen Feuer gekocht und mit Polenta zubereitet zu werden: das Leibgericht des ehemaligen UdSSR-Staatschefs Leonid Breschnew.

Fleisch war im kommunistischen Rumänien Mangelware. Die Menschen mussten Schlange stehen, oft ohne Ergebnis. Sogar Fleischabfälle waren Luxus und wurden von der Bevölkerung mit Namen versehen, die an Luxusgüter aus dem Westen erinnerten. Schweinsfüße hießen „adidasi“ – nach dem deutschen Sportartikelhersteller. Vlad Nanch präsentiert Schweinsfüße mit drei aufgebrachten Streifen. Hinter den Klischees blitzt Ironie auf. In Ciprian Mureeans Clip „Choose ...“ mischt ein Junge die Inhalte einer Pepsi- und einer Coca-Cola-Dose. Seit Januar 2007 ist Rumänien in der EU. Angekommen in der Konsumgesellschaft.Jens Müller

NGBK – Neue Gesellschaft für Bildende Kunst, 15.12.2007 bis So 27.1., geschlossen: Mo 31.12. u. Di 1.1. tägl. 12-18.30 Uhr, Eintritt frei

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